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Die Traumzeit der Aborigines - Die Entstehung des Didgeridoos - Geschichte aus dem Arnhem Land

Entstehung des Didgeridoo

Erste Erzählung aus dem Arnhem Land, Northern Territory

Bei der Suche nach Nahrung durchstreifte ein Stamm vor langer Zeit das Arnhem Land. Der Stamm war zufrieden und lebte mit der Welt und der Umwelt in Harmonie.

Dies blieb so, bis zu dem Zeitpunkt als zwei schöne Schwestern auf der Suche nach Früchte, weit vom Lager entfernt von einem bösen Riesen entführt wurden.

Alle Versuche zur Flucht wurden durch den bösen Riesen vereitelt. Doch als dieser sich eines Tages auf der Jagd befand, gelang den beiden Schwestern die Flucht und nach langem Suchen fanden sie den Weg zurück zum Lager ihres Stammes.

Als der Riese von der Jagd zurückkam stellte er fest, dass die Schwestern verschwunden waren. Außer sich vor Wut machte er sich auf die Suche nach ihnen um sie zurückzuholen.

Die Stammesältesten ahnten, dass der Riese kommen würde um die Frauen zuholen und sie beschlossen dem Riesen eine Falle zu stellen. Sie hoben eine tiefe Grube aus und lockten den Riesen mit der Hilfe der zwei Schwestern in die Falle.

In der Grube gefangen bewarfen ihn die Jäger des Stammes den Riesen mit ihren Speeren. Nach kurzer Zeit wand sich der Riese mit Speeren gespickt und einem Stachelschwein gleichend im Todeskampf. Außer sich vor Schmerzen und sich seines Todes gewiss blies der böse Riese auf seinem Penis und ein tiefer, vibrierender Ton war zu hören.
Dieser Ton rührte die Stammesältesten und die Jäger. So versuchten Sie Wege zu finden, um diesen Ton zu erzeugen. Alle Versuche schlugen fehl, bis eines Tages einer der Jäger einen durch Termiten ausgehöhlten Eukalyptus-Stamm fand und darauf blies. Und der Ton der dabei entstand war der Gleiche, den sie bei dem Riesen gehört hatten.

Von diesem Zeitpunkt war das Didgeridoo ein fester Begleiter der Aboriginals bei Gesang und Tanz.

Die Traumzeit der Aborigines - Wie Eingana die Lebewesen schuf

Wie Eingana die Lebewesen schuf

Die Erzählung eines Ältesten:

Jene erste Zeit, die Urzeit, nennen wir Bieingana. Das Urwesen nennen wir Eingana.Wir nennen Eingana unsere Mutter. Eingana schuf alles: Wasser, Steine, Bäume, Menschen. Sie schuf alle Vögel. Fliegende Hunde, Känguruhs und Emus. Eingana war schwanger, mit allem Leben in jener Urzeit.

Eingana ist die Urschlange. Sie verschlang alle Menschen. iI ihrem Schoß nahm sie sie mit sich in das Wasser. Dann tauchte sie aus dem Wasser auf und war hochschwanger mit allem Leben in ihr. Sie tauchte in Gaieingung auf, in der großen Wasserstelle bei Bamboo Ceck. Eingana wälzte sich auf dem Boden.. Sie stöhnte und schrie, sie schrie laut vor Schmerz in ihren Wehen, weil sie all die Menschen, alle Lebewesen in sich trug. Ein alter Mann, Barraiya, war lange Zeit über Land gewandert. All die Zeit hatte er Einganas Schreie vernommen und ihr Stöhnen. Barraiya schlich sich in ihre Nähe; er erblickte Eingana. Er sah, wie sich die Riesenschlange stöhnend und schreiend herumwälzte. Barraiya legte seinen Speer in die Speerschleuder. Er beobachtete die Riesenschlange. Er sah die Stelle, in die er seinen Speer schleudern,. musste. Er schleuderte seinen Speer in ihren Unterleib. Alles Blut floss aus der Speerwunde, und alle Menschen kamen nach dem Blut zum Vorschein.

Kandagun, der Dingo, verjagte die Menschen. Er vertrieb sie und teilte sie in verschiedene Stämme mit verschiedenen Sprachen auf. Als Kandagun die Menschen verjagte, flogen. einige als Vögel davon, andere suchten als Känguruhs das Weite, wieder andere rannten als Emus auf und davon, oder sie verwandelten sich in Fliegende Hunde, Ameisenigel, Schlangen und andere Tiere - alles, um Kandagun zu entkommen.

Zu Anbeginn jedoch, bevor Barraiya seinen Speer in Eingana schleuderte, konnte kein Lebewesen auf normalem Wege geboren werden. Eingana mußte alles aus ihrem Mund speien. Menschen mussten alles ausspeien. Kinder konnten nicht wie heute geboren werden. Deshalb mußte Barraiya Eingana durchbohren.

Der alte Mann Barraiya war von Osten nach Westen gewandert. Nachdem er Eingana durchbohrt hatte, kehrte er zu seiner Stätte Barralyawim zurück. Dort malte er seine Gestalt auf einen Felsen. Dann verwandelte er sich in einen blaugeflügelten Königsfischer.

Eingana schuf den großen Boolmoon River, den Flying-Fox River und den Roper River. Sie schuf alle Flüsse. Nun haben wir Wasser. Deshalb sind wir am Leben. Eingana schuf Bolong, die Regenbogenschlange. Ganz am Anfang, als Eingana Menschen verschlang, spie sie sie als Vögel wieder aus, als Bonorong, den Kranich, als Janaran, den Storch, als Baruk, den Kormoran. Eingana spie Menschen aus, und sie verwandelten sich in Koopoo, das Känguruh, in Kandagun, den Dingo, in Galwan, den Waran, in Nabininbulgai, den Fliegenden Hund. All diese Vögel und Tiere, all diese Dinge nahm Eingana wieder in sich auf. Sie sprach.- «Es ist mein Wille, daß ihr mir alle gehorcht und meine Weisungen einhaltet.» Eingana nahm sie Alle wieder in sich auf. Eingana verschlang sie nochmals. Sie entließ sie in das Wasser als Schlange., als Bolong, die Regenbogenschlange.

Niemand kann Eingana sehen. Sie hält sich in der Wassermitte auf. Dort ist ihre Höhle. In der Regenzeit, wenn das Hochwasser ansteigt, erhebt sich Eingana inmitten des Hochwassers. Eingana läßt ihren Blick über das Land streifen. Sie setzt alle Vögel, Schlagen, Tiere und unsere Kinder frei; Eingana entlässt all diese Dinge aus ihrem Leib.

Eingana lässt sich auf dem Hochwasser entlang treiben. Sie erhebt sich und blickt über das Land. Sie setzt alle Art von Leben frei, das in ihr wohnt. Wenn das Hochwasser absinkt, kehrt Eingana in ihr Lager zurück. Sie taucht nicht mehr auf. Sie kehrt nicht zurück - sei es kalt oder warm. Erst in der kommenden Regenzeit kehrt sie zurück und setzt wieder alle Lebewesen frei: Schlange, Vögel, Dingos, Känguruhs, Menschen, alles.

Eingana hält das Ende einer Schnur aus einer Sehne, die Toon heißt. Das andere Ende dieser Schnur ist an der großen Sehne über der Ferse eines jeden Lebewesens befestigt. Eingana hält diese Schnur zu allen Zeiten, weshalb wir sie unsere Mutter nennen. Erst wenn wir sterben, lässt Eingana diese Schur los. Wenn ich sterbe, sterbe ich für alle Zeit. Mein Lebensgeist Malikngor folgt dem Weg Bolongs.

Malikgnor kehrt in mein Stammesland zurück, dorthin, wo ich geboren wurde. Jedermanns Lebensgeist tut dies.

Die Traumzeit der Aborigines - Der Schöpfungsmythos der Aborigines

 

Schöpfungsmythos der Aborigines

 In der Mythologie der Aborigines, wird die Zeit der Schöpfung, in der die bekannte Landschaft Gestalt annahm und alles Leben seinen Ursprung nahm, als Traumzeit oder Dreamtime bezeichnet. Die Kultur der australischen Aborigines beruht ganz und gar auf der Erinnerung an den Ursprung des Lebens. Gemäß neuesten Erkenntnissen sind ihre Schöpfungsgeschichte und das daraus abgeleitete Weltbild rund einhundertfünfzigtausend Jahre alt.

Die Aborigines nennen die Kräfte und Mächte, die die Welt geschaffen haben, ihre «Creative Ancestors» - ihre Schöpferischen Ahnen. Sie sind der Überzeugung, dass unsere wunderbare Welt nur in Übereinstimmung mit der Kraft, der Weisheit und den Absichten dieser ersten Ahnen so perfekt geschaffen werden konnte. Während der Epoche, in der dies geschah- der Traumzeit -, bewegten sich die Ahnen über eine kahle, eintönige Fläche, ähnlich wie auch die Aborigines durch ihr riesiges Land wandern. Die Ahnen zogen hierhin und dorthin, sie jagten, schlugen ihr Lager auf, kämpften und liebten, und so schufen sie aus einem formlosen Land eine topographische Landschaft. Vor ihren Wanderungen legten sie sich schlafen und träumten die Abenteuer und Ereignisse des folgenden Tages. Auf diese Weise, indem sie ihre Träume in die Tat umsetzten, schufen die Ahnen Ameisen, Grashüpfer, Emus, Krähen, Papageien, Wallabys, Kängurus, Echsen, Schlangen, alle Nahrung sowie die Pflanzen. Sie schufen alle Elemente der Natur, die Sonne, den Mond und die Sterne, und sie schufen auch die Menschen, die Stämme und Clans. All dies wurde von den Ahnen gleichzeitig erschaffen, und jedes Ding konnte sich in ein anderes verwandeln. Eine Pflanze konnte zu einem Tier werden, ein Tier zu einer Landschaftsform, eine Landschaftsform zu einem Mann oder einer Frau. Ein Ahne konnte zugleich Mensch und Tier sein. Diese Umwandlungen gingen hin und her, je nachdem, wie es die Geschichten der Traumzeit verlangten. Alles wurde aus derselben Quelle geschaffen - den Träumen und den Taten der großen Ahnen -, und alle Stufen, Phasen und Zyklen waren in der Traumzeit gleichzeitig gegenwärtig. Während die Welt Form annahm und sich mit den Arten und vielfältigen Ausgestaltungen erfüllte, die sich aus den Umwandlungen der Ahnen ergaben, wurden die Ahnen müde und gingen in die Erde, in den Himmel, die Wolken und die Geschöpfe zurück, um gleich einer Kraft in allem nachzuhallen, was sie geschaffen hatten.

Die Traumzeit der Aborigines - Was ist die Traumzeit / Dreamtime

Dreamtime - Traumzeit

Sowohl der englische Begriff “Dreamtime” als auch die deutsche Übersetzung “Traumzeit” treffen den eigentlichen Sinn, dessen was in den lokalen Aboriginal Sprachen “Tjurkurrpa”, “Altjeringa” oder “Palaneri” genannt wird, nicht. Vielmehr ist der eigentliche Sinn dieser Ausdrücke mit dem Begriff “Schöpfungszeit” zu beschreiben. Diese Zeit ist das zentrale Konzept der Mythologie der Aborigines.

Dafür ist wichtig zu wissen, dass die Aborigines nicht mit dem linearen Zeitbegriff der westlichen Zivilisation arbeiten, vielmehr kann man sagen: Die Traumzeit war sowohl vor langer Zeit und ist hier und jetzt immer noch genauso wie morgen. Die Traumzeit beinhaltet sowohl wichtige Ereignisse der Vergangenheit und gleichzeitig den damit verbundenen kontinuierlichen kreativen Prozess, der irgendwann vor Ewigkeiten begann und bis in die Zukunft andauert.

Sie ist die Schöpfung an sich, die vor vielen Millionen Jahren den Beginn der Zeiten auslöste, sie beschreibt die Entstehung aller Dinge. Alles: Tiere, Menschen und das Land waren Bestandteil der endlosen Traumzeit, Menschen, Tiere und spirituelle Wesen waren miteinander verbunden und eins. Zu dieser Zeit haben spirituelle Wesen, auch als totemische Vorfahren bezeichnet, die Erde und alles darauf erschaffen bzw. erträumt. Ihre Taten sind auch heute noch ein Teil des Lebens, so wie Menschen ein Teil von Tieren und Tiere ein Teil von Menschen sind.

In dieser Traumzeit erträumte man die Beziehung und die Harmonie von allen Dingen zueinander: Menschen, Tiere, Natur, Stämme, Gesetze, Herkunft und Kunst. Aus dieser Verwandtschaft entstanden Stämme, ihre Gesetze und Rituale oder kurz gesagt die Kultur selbst. Diese Kultur der Aborigines ist die älteste kontinuierliche der ganzen Welt, ihre Ursprünge liegen über 40.000 Jahre zurück. Zahlreiche Zeremonien der Aborigines sollen ihnen die Energie der Alten und Geister verleihen, damit sie die Traumzeit fortzuführen können.

Dieser Zeit, in der das Leben begann, huldigen sie in vielen Riten und schlagen die Brücke ins Heute, damit weiterhin Dinge aus dem Himmel oder aus dem Inneren der Erde an die Oberfläche kamen, also die Schöpfung weitergeht.

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