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Archiv der Kategorie Stolen Generation
The Stolen Generation - Eine Chronologie des Leidensweges der Aborigines
23.12.2008 von admin.
Der Leidensweg der Aborigines – Eine Chronologie
17. Jahrhundert
Die Holländer gelangen mehrfach an Küstenabschnitte des australischen Kontinents. 1642 entdeckt Abel Janszon Tasman das im 19. Jahrhundert nach ihm benannte Tasmanien.
27. August 1770
James Cook betritt im Namen der britischen Krone an der Ostküste australischen Boden.
26. Januar 1788
Kapitän Arthur Philip, späterer Gouverneur der neuen britischen Kolonie New South Wales, trifft mit der “First Fleet” und rund 750 Häftlingen in der Nähe des heutigen Sydney (Port Jackson) ein. Er tauft die erste australische Gefangenensiedelung in Australien nach dem für die Organisation der Transporte verantwortlichen britischen Staatssekretär Lord Sydney.
Der 26. Januar ist Nationalfeiertag in Australien. Für die Aborigines aber ist es der Tag der Invasion (”Invasion Day”.)
1824
In Tasmanien werden die Siedler dazu autorisiert, Aborigines zu erschiessen.
25. September 1830
In Tasmanien wird die weisse Bevölkerung dazu aufgefordert, an einer eigentlichen Treibjagd auf Aborigines teilzunehmen.
1838
Myall Creek Massaker, NSW.
In der Nähe von Inverell erschiessen und verbrennen weisse Siedler 28 Aborigines, wovon die Mehrheit Frauen und Kinder sind. Erstmals werden die Täter des Massakers vor Gericht gestellt. Sieben Männer werden zum Tod durch Erhängen verurteilt.
1849
Das Colonial Office in London erklärt den ganzen australischen Kontinent zu terra nullius, Niemandsland.
Die britische Regierung vertritt die Ansicht, dass die Aborigines zwar physisch vor der Ankunft der Europäer auf dem australischen Kontinent präsent gewesen sein mögen, aber nicht über eine kulturelle Bindung an ihr Land und eine sozial gefestigte Volksstruktur verfügt hätten. Für das britische Empire besassen die Aborigines daher keine Souveränität über ihr Stammesgebiet.
Die terra nullius-Doktrin diente der britischen Regierung dazu, der zunehmend gewaltsamen Eroberung des australischen Kontinents einen Schein der Legalität zu geben.
Erst 1992 wurde die terra nullius-Doktrin in einem spektakulären Urteil des höchsten australischen Gerichtes verworfen. Siehe dazu unten.
1879
Die letzte Frau aus dem Stamm der tasmanischen Aborigines stirbt.
Nur 70 Jahre nach der europäischen Besiedelung Tasmaniens waren alle Ureinwohner der Insel ausgerottet und eine jahrtausende alte Kultur vernichtet worden.
1. Januar 1901
Gründung des australischen Staates.
Die sechs britischen Kolonien schliessen sich zum Australischen Bund zusammen.
In der aus 128 Paragraphen bestehenden Verfassung werden die Ureinwohner nur zweimal erwähnt und zwar insofern, als dass besondere Rechte für sie gelten (Para. 51, 26) und sie bei Volkszählungen nicht mitgezählt werden sollen (Para. 127).
Im Original lauten die betreffenden Paragraphen folgendermassen:
§ 51, 26
The Parliament shall, subject to this Constitution, have power to make laws for the peace, order and good government of the Commonwealth with respect to: […]
The people of any race, other than the aboriginal race in any State, for whom it is deemed necessary to make special laws.
§ 127
In reckoning the numbers of the people of the Commonwealth, or of the State or other part of the Commonwealth, aboriginal natives shall not be counted.
Abgesehen von der in der Verfassung offen dargelegten Diskriminierung, wirkten sich diese Bestimmungen so aus, dass jeder Aspekt im Leben eines Aborigines von den einzelnen Teilstaaten des Bundes reguliert, kontrolliert und verwaltet wurde, während es dem Bund untersagt blieb, Gesetze in bezug auf die Aborigines zu erlassen.
1902
Der Commonwealth Franchise Act schliesst australische Ureinwohner explizit vom Wahlrecht aus.
Bis 1911
hatten alle Bundesländer Gesetze erlassen, mit denen die Zwangseinweisung der überlebenden Aborigines in Reservate und Missionen unter staatlicher Kontrolle festgeschrieben wurden.
1963
Bark Petition
Der Yolngu Stamm aus Nordwest Arnhem Land reicht eine Petition ein, in der es gegen die an die Minenkompanie Nabalco abgegebene Erlaubnis protestiert, auf ihrem Land Bergbau zu betreiben.
1966
200 Aboriginal Farmarbeiter und ihre Familien verlassen Wave Hill Station (Northern Territory) und streiken für bessere Bezahlung und Bedingungen. Der neun Jahre andauernde Streik entwickelt sich zu einer erfolgreichen Klage für die Restituierung von traditionellem Gurindji Land.
27. Mai 1967
Nationales Referendum über die Abänderung der Verfassungsartikel § 51, 26 und § 127 von 1901.
90.77% der abgegebenen Stimmen sind dafür, Paragraph 127 gänzlich aus der Verfassung zu steichen und Paragraph 51, 26 dahingehend zu ändern, den Wortlaut “other than the aboriginal race in any State” zu streichen.
1971
Erster Aboriginal, Neville Bonner aus Queensland, erhält einen Parlamentssitz. Er trat 1983 zurück.
Im gleichen Jahr errichten Aborigines vor dem Parlamentssitz in Canberra ihre eigene Botschaft in einem Zelt (tent embassy) und protestieren somit für ihre Landrechte und ein Ende der Rassendiskriminierung.
September 1975
Australien ratifiziert das Internationale Übereinkommen zur Beseitigung jeder Form der Rassendiskriminierung von 1966 (International Convention on the Elimination of all forms of Racial Discrimination).
Den Text der Konvention findet man auf der United Nations Human Rights Website (englisch)
Im selben Jahr erlässt Australien auch das Rassendiskriminierungsgesetz. Danach waren verboten:
“Any act involving a distinction, exclusion, restriction or preference based on race, colour, descent or national or ethnic origin which has the purpose or effect of nullifying or impairing the recognition, enjoyment or exercise, on an equal footing, of any human right or fundamental freedom in the political, economic, social, cultural or any other field of public life.”
Erläuterungen zum Racial Discrimination Act findet man auf der Homepage der Human Rights and Equal Opportunity Commission (HREOC) (englisch)
16. Dezember 1976
Land Rights Act
Erste legislative Bestimmung für die Rückkehr von Aboriginal-Land an ihre Besitzer. Den Aborigines wird das uneingeschränkte Eigentumsrecht der Reservate im Northern Territory zugesprochen.
1981 und 1984
Pitjantjatjara Land Rights Act von 1981 und Maralinga Tjarutja Land Rights Act von 1984 werden im Bundeststaat South Australia erlassen. Sie beinhalten ein Vetorecht der Aborigines in Bezug auf Bergbauvorhaben. Das Vetorecht kann allerdings im Streitfall durch einen vom Minister ernannten Schlichter bestätigt, verändert oder sogar aufgehoben werden.
Im Fall des Pitjantjatjara Land Rights Act wurde dem Pitjantjatjara Council ein Gebiet übertragen von der Grösse Ungarns und Österreichs zusammen, welches sich über drei Bundesstaaten erstreckt: Western Australia, South Australia und Northern Territory.
1985
Die australische Regierung gibt den Aborigines ihren heiligen Berg Uluru (Ayers Rock), und den ihn umgebenden Uluru-Nationalpark in Zentralaustralien zurück. Die Aborigines verpachten ihrerseits den Monolithen und sein Umland wieder an die Regierung für touristische Zwecke.
1988
Erklärung von Barunga
Auf einem von den Landräten des Nordterritoriums veranstalteten Fest spricht Premierminister Hawke von einer wirklichen und andauernden Versöhnung und offenen Verhandlungen zwischen der indigenen und nicht-indigenen Bevölkerung.
Hawke wird das sogenannte “Barunga Statement” überreicht, in welchem das Selbstbestimmungsrecht der indigenen Bevölkerung, ihre Landrechte und Kompensation für verlorene Ländereien gefordert werden.
1990
Die halbstaatliche Dachorganisation Aboriginal and Torres Strait Islander Commission (ATSIC) wird gegründet.
Sie vertritt die Interessen der Ureinwohner, wobei die 17 Kommissionsmitglieder durch die 35 landesweiten “Land Councils” gewählt werden. Bis 1999 wurde jedoch der Vorsitzende der ATSIC von der Regierung eingesetzt.
Die Aufgabe von ATSIC ist, die Regierung in allen Angelegenheiten im Zusammenhang mit der indigenen Bevölkerung zu beraten, Programme für die Aborigines und Torres Strait Islander zu formulieren, zu implementieren und zu überwachen.
Die Arbeit und Struktur der ATSIC wird allerdings teilweise auch von Aborigines sehr kritisch beurteilt, wobei sie ATSIC vor allem vorwerfen, eine bürokratische und hierarchische Struktur zu haben, die sich schwer mit den traditionellen Entscheidungsfindungsstrukturen ihrer Kultur vereinbaren lasse. Insofern sehen sie in ATSIC nur ein weiteres von den Weissen eingesetztes Gremium, welches jedoch nicht wirklich die Kontrolle über die ihm zur Verwaltung übertragenen Programme habe.
Die ATSIC ist somit gezwungen, einen Balanceakt zu beschreiten zwischen ihrer Aufgabe, die Interessen der Aborigines zu vertreten und ihre Verpflichtungen als gesetzliches Organ der Bundesregierung wahrzunehmen.
Homepage der Aboriginal and Torres Strait Islander Commission (ATSIC) (englisch)
1991
Die Bundesregierung setzt den 25köpfigen “Council for Reconciliation” (Versöhnungsrat) ein. Nach einem kritischen Bericht über die Situation der Aborigines ins Leben gerufen, soll der Rat während seines auf 10 Jahre befristeten Mandates Wege der Versöhnung zwischen den Ureinwohnern und der weissen Bevölkerung Australiens ausarbeiten.
Ziel ist die Ausarbeitung einer Erklärung, die als Basis für einen Versöhnungsvertrag zwischen der indigenen Bevölkerung und dem weissen Australien dienen könnte.
Als Resultat dieser Bemühungen wurde am 27. Mai 2000 dem australischen Volk die sogenannte “Versöhnungserklärung” überreicht, siehe dazu unten.
Homepage des Council for Reconciliation (englisch)
3. Juni 1992
In einem bahnbrechenden Urteil des obersten Gerichtshofes im Fall Mabo v. Queensland wird die terra nullius-Doktrin umgestossen und erstmals anerkannt, dass die indigene Bevölkerung Australiens einen “Uranspruch” (native title) auf Grund und Boden geltend machen kann.
Eddie Mabo, Bewohner der kleinen zu Queensland gehörenden Murray-Insel in der Torres Strait hat in dem 10 Jahre dauernden Prozess die Besitz- und Souveränitätsrechte des Bundesstaates Queensland über seine Insel angefochten.
Das Gericht folgte der Argumentation des Klägers, dass sein Volk die Insel schon vor der Ankunft besessen und bewirtschaftet habe und liess die Einwände Queenslands nicht gelten, dass mit der Annexion der Insel 1879 allfällige Rechte der Ureinwohner ausgelöscht wurden und die Besitz- und Souveränitätsrechte an die Kolonialregierung in Queensland übergegangen seien.
Durch das Mabo-Urteil wurde die Bundesregierung gezwungen, ein entsprechendes Gesetz zu erlassen, welches 1993 in der Form des Native Title Act verabschiedet wurde.
1993
Der Native Title Act erlaubt den Aborigines, Landbesitz auf Grund von traditioneller Zugehörigkeit geltend zu machen.
Die damalige Labourregierung unter Paul Keating versucht allerdings, weitere Unklarheiten zu beseitigen, indem verfügt wird, dass Pachtverträge für Weideland alle anderen Ansprüche, also auch den “native title”, aufheben würden.
Der Kampf um Land wird seither in unzähligen Gerichtssälen ausgefochten.
Rechtsdokumente zum Native Title Act findet man mit der Suchmaschine des Australisian Legal Information Institute (englisch)
23. Dezember 1993
Wik-Urteil
Der oberste Gerichtshof Australiens entscheidet im Fall Wik v. Queensland zugunsten des indigenen Stammes der Wik und Thayorre und unterstreicht, dass die Landrechte der Aborigines neben den Nutzungsrechten der Pächter weiterbestehen.
Mit vier gegen drei Richterstimmen anerkannte das Gericht das Recht der Aborigines, Ansprüche auf Land geltend zu machen, das im Besitz der Regierung ist und von dieser an Farmer verpachtet wurde.
Im vorliegenden Fall ging es um 35 000 Quadratkilometer Land auf der Halbinsel Cape York, das vom Bundesstaat Queensland an zwölf Farmer verpachtet worden war.
Das Urteil hebt somit die im Native Title Act verankerte Prämisse auf, dass existierende Pachtverträge zwischen den Bundesregierungen und Farmern oder Bergbaugesellschaften, den Landeigentumstitel der Aborigines automatisch löschen würden.
In einem möglichen Streitfall wird aber dem Existenzschutz des Pächters grösseres Gewicht beigemessen.
Das Urteil löst bei Farmern und Bergbaugesellschaften scharfe Proteste aus.
1996
Die liberal-konservative Regierung unter dem heutigen Premier John Howard kommt an die Macht.
Budget und Kompetenzen der indigenen Selbstverwaltungsbehörde ATSIC werden drastisch, d. h. um zirka 40%, gekürzt.
27. Mai 1997
Bericht “Bringing them Home” der “Human Rights and Equal Opportunity Commission” (HREOC) wird publiziert. Er erläutert die von den Anfängen unseres Jahrhunderts bis in die 70er Jahre verfolgte Praxis sogenannte Halb- und Viertelblütler aus ihren Familien herauszureissen und weissen Familien zur Pflege oder Adoption zu übergeben. Diese sogenannten stolen generations sollten an die weisse Bevölkerung assimiliert werden, in dem man sie von ihren Familien und ihren kulturellen Wurzeln trennte.
In Artikel 2, (c) der Konvention über die Verhütung und Bestrafung des Völkermordes von 1948 wird die “gewaltsame Überführung von Kindern der Gruppe in eine andere Gruppe” als Völkermord bezeichnet. Australien hat daher jahrelang gegen die von ihm 1951 ratifizierte Konvention verstossen.
Das Verbrechen an den “stolen generations”
Erst ab 1972 erhielten die Aborigines die Möglichkeit, legale Schritte gegen diese Praktik zu unternehmen und noch heute kämpfen viele der geschätzten 100′000 betroffenen Kinder für eine Wiedergutmachung.
Juli 1997
Eine Überarbeitung des Native title Act (1993) wird von dem für Aboriginal Fragen zuständigen Minister John Herron angekündigt und endet im Native Title Amendment Act von 1998, der die Rechte der indigenen Bevölkerung drastisch einschränkt.
27. Mai 1998
Erster nationaler Sorry-Day
Eine Million Australier tragen sich in die Sorry-books ein als Entschuldigung für das an den Aborigines in den letzten zweihundert Jahren begangene Unrecht, vor allem aber für die über Jahrzehnte aus ihren Familien gerissenen Aborigines-Kinder.
Beinahe alle Parlamente der einzelnen Bundesstaaten entschuldigen sich bei der indigenen Bevölkerung, ein Akt, der von der konservativen Bundesregierung kategorisch abgelehnt wird.
Das Verbrechen an den “stolen generations”
11. August 1998
UNO-Komission für Menschenrechte veröffentlicht eine Pressemeldung, in welcher Australien zusammen mit Jugoslawien und der tschechischen Republik als Länder aufgeführt werden, deren Behandlung der Menschenrechte Grund zur Sorge gibt.
1. Oktober 1998
Der Native Title Amendment Act tritt in Kraft.
Er basiert auf einem 10-Punkte Plan John Howard’s und sieht eine drastische Einschränkung der Bestimmungen des ursprünglichen Gesetzes von 1993 vor.
Einige kritische Punkte seien hier kurz erwähnt:
In der Zeitspanne zwischen dem Native Title Act (1993) und dem Wik-Urteil (1996) hatten einige Bundesstaaten Pachten über Land vergeben, über welches sie nach dem Gesetz von 1993 kein Recht mehr hatten. Dies geschah ohne die Anhörung der native title-Inhaber.Die veränderte Fassung des Native Title Act von 1998 sah nun vor, diese Vergaben rückwirkend zu legalisieren.
Dem Native Title Amendment Act (1998) ist ausserdem eine Liste von tausenden von Landbesitzen angehängt, für welche der Anspruch der Aborigines für immer ausgelöscht sein soll. Diese Liste wurde ohne Zusammenarbeit und Mitspracherecht der indigenen Bevölkerung erstellt. Auf rechtlichem Weg wird ihnen ausserdem nur die Möglichkeit eröffnet, eine Kompensation für das konfiszierte Land zu erstreiten und nicht der Bestand der Konfiszierung selber einzuklagen.
Die neue Gesetzgebung nimmt den Inhabern eines native title jedes Recht, über die Entwicklung auf ihrem Land zu verhandeln und räumt ihnen nur mehr einen beratenden Status ein. Damit bleibt den Aborigines auch die Möglichkeit verwehrt, über Bergbauvorhaben auf ihrem Land zu bestimmen.
Der uneingeschränkte Zugang zu traditionellem Aborigine-Land wird in der neuen Fassung des Gesetzes nur dann gewährt, wenn schon zum Zeitpunkt des Wik-Urteils (1996) dieser Zugang bestanden hat.
Aboriginal sprechen bezüglich der neuen Gesetzgebung von Betrug und dem Ausverkauf ihrer Rechte.
Mick Dodson, ein führender Aborigine-Bürgerrechtler und ehemaliger Aboriginal and Torres Strait Islander Social Justice Commissioner, kommentiert den Native Title Amendment Act (1998) folgendermassen:
“In summary, the new legislation represents the greatest act of dispossession of indigenous Australians since British Naval captain, Cook, claimed our country. It diminishes the say of native titleholders over many forms of development. It will permit state and territorial governments to pursue a full range of primary production activities on pastoral leases without the say-so of native titleholders. It will also enable those same governments to introduce a raft of extinguishing measures through compulsory acquisition and upgrading of existing tenures. Native titleholders will have no say over a whole range of government activities. Procedural rules are tougher, and in short, the legislation is unfair and discriminatory.”
3. Oktober 1998
Mit Aden Ridgeway haben die Aborigines seit 1983 zum ersten Mal wieder einen Vertreter im australischen Parlament. Er war für die Demokraten in New South Wales angetreten.
18. März 1999
Australien wird als erstes westliches Land offiziell vor das aus 19 Mitglieder bestehende Expertenkomitee für die Abschaffung der Rassendiskriminierung bestellt.
Im Blickpunkt des Interesses liegt vor allem der Native Title Amendment Act (1998) und seine Vereinbarkeit mit Artikel 2 und 5 des Internationalen Übereinkommens zur Beseitigung jeder Form der Rassendiskriminierung, 1966, welchem Australien 1975 beigetreten ist.
Das Komitee empfiehlt der australischen Regierung, die 1998 angebrachten Veränderungen am Native Title Act, 1993 auf ihre diskriminierenden Folgen für die Aboriginal zu prüfen.
In Punkt 6 der Entscheidung drückt das Komitee Besorgnis darüber aus, dass die abgeänderte Fassung des Native Title Acts gerade jene Rechte beschneidet und einschränkt, welche 1993 erlassen worden waren, um den Aborigines ihren rechtmässigen Anspruch zu sichern.
“The Committee, having considered a series of new amendments to the Native Title Act, as adopted in 1998, expresses concern over the compatibility of the Native Tile Act, as currently amended, with the State party’s international obligations under the Convention. While the original Native Title Act recognizes and seeks to protect indigenous title, provisions that extinguish or impair the exercise of indigenous title rights and interests pervade the amended Act. While the original 1993 Native Title Act was delicately balanced between the rights of indigenous and non-indigenous title holders, the amended Act appears to create legal certainty for Governments and third parties at the expense of indigenous title.”
Die offizielle Regierung in Canberra weist den Bericht zurück und unterstreicht, das australische Gesetze vom australischen Parlament geschaffen würden und nicht von einem UNO-Komitee.
Juli 1999
Die Weltkulturschutz-Kommission der UNO entscheidet sich gegen die Empfehlung der Expertenkommission der UNESCO, den 20 000 Quadratkilometer grossen Kakadu-Nationalpark in die Liste der gefährdeten Objekte des Weltkulturerbes aufzunehmen.
Dieser Entscheid gibt gleichzeitig dem Bau der geplanten Jabiluka-Uranmine grünes Licht. Nach Sicht der australischen Regierung bestehe weder für die Natur dieses Feuchtgebietes noch für den auf diesem Land seit 40 000 Jahren lebenden Mirrar-Clan eine Gefahr.
Das erwartete Uranvorkommen in diesem Gebiet beläuft sich auf einen Gesamtwert von 4 Milliarden Franken.
Oktober 1999
Murrandoo Yanner erzielt Sieg vor dem oberstem Gericht in Australien.
Der Urteilsspruch unterstreicht, dass Aborigines nicht den Jagd- und Fischereigesetzen ihres jeweiligen Bundesstaates unterliegen, solange die Jagd auf dem Land der Aborigines stattfindet und nur dem persönlichen Verzehr dient. Dank des Urteils können die Ureinwohner ihren traditionellen Lebensstil als Jäger und Sammler weiter nachgehen.
24. März 2000
UNO-Komitee für die Beseitigung der Rassendiskriminierung kritisiert Australien für seine Behandlung der Aborigines. Australien reagiert brüskiert und droht seine Verpflichtungen innerhalb des ganzen UNO-Systems zu überdenken.
In Punkt 9 der Entscheidung wird Besorgnis darüber ausgedrückt, dass die indigene Bevölkerung immer mehr in der Ausübung ihrer Rechte beschnitten zu werden scheint, vor allem was die Landfrage betrifft:
“Concern is expressed at the unsatisfactory response to Committee Decisions 2(54) (March 1999) and 2(55) (August 1999) and at the continuing risk of further impairment of the rights of Australian’s indigenous communities. The Committee reaffirms all aspects of its Decisions 2(54) and 2(55) and reiterates its recommendation that the State party ensure effective participation by indigenous communities in decisions affecting their land rights, as required under article 5 c of the Convention and General Recommendation XXIII of the Committee, which stresses the importance of ensuring the “informed consent” of indigenous peoples. The Committee recommends the State party to provide full information of this issue in the next periodic report.”
Punkt 12 fordert die Regierung Howard auf, den Versöhnungsprozess zwischen der indigenen und der weissen Bevölkerung voranzutreiben.
“While acknowledging the significant efforts that have taken place to achieve reconciliation, concern is expressed about the apparent loss of confidence by the indigenous community in the process of reconciliation. The Committee recommends that the State party take appropriate measures to ensure that the reconciliation process is conducted on the basis of robust engagement and effective leadership, so as to a meaningful reconciliation, genuinely embraced by both the indigenous population and the population at large.”
Punkt 18 drückt die tiefe Besorgnis darüber aus, dass die indigene Bevölkerungs Australiens nach wie vor nicht ihre ökonomischen, sozialen und kulturellen Rechte in vollem Ausmass wahrnehmen kann:
“The Committee acknowledges the effort being made to increase spending on health, housing, employment and education programmes for indigenous Australians. Serious concern remains at the extent of the continuing discrimination faced by indigenous Australians in the enjoyment of their economic, social and cultural rights. The Committee remains seriously concerned about the extent of the dramatic inequality still experienced by an indigenous population that represents only 2.1% of the total population of a highly developed industrialized State. The Committee recommends that the State party ensure, within the shortest time possible, that sufficient resources be allocated to eradicate these disparities.”
April 2000
Premier John Howard leugnet Anfang April öffentlich die Existenz der stolen generation.
Der für Aboriginal Fragen zuständige Minister John Herron spricht von “nur” 10% der Kinder, die zwischen 1910 und 1970 den Familien entrissen worden waren.
Untersuchungen einer australischen Menschenrechtskommission haben allerdings ergeben, dass jedes dritte Kind davon betroffen war und somit Opfer von körperlichem und seelischem Missbrauch wurde.
Premier John Howard weigert sich nach wie vor, eine Entschuldigung auszusprechen für diese Zwangsadoptionen und betont, dass die heutige Generation der Australier nicht für diese Praxis verantwortlich gemacht werden könne.
Die Gründe für das unverständliche Zögern John Howard’s dürften allerdings vielmehr in seiner Befürchtung liegen, sich allfälligen Kompensationsforderungen gegenüber zu sehen.
11. Mai 2000
Dr. Charles Perkins, bekannter Aboriginal Aktivist, unterstreicht in seiner Rede anlässlich der Verleihung der Ehrendoktorwürde der University of Syndey, dass es der politischen Führung zur Zeit an Visionen und Inspiration fehlt, wobei vor allem Premier John Howard scharf kritisiert wird:
“Our Prime Minister is obviously unsuited to lead this country at such a critical time in our history. He has neither the character, the vision or the compassion to understand his role at this point of time. He has failed in a number of critical areas. For example ; his reluctance to say sorry, on behalf of the Government, to the Stolen Generation, of which he denies the existence, and also, for the traumatic history of black/white relations in this country is itself a great shame.”
15. Mai 2000
Ein Bericht der National Aboriginal Community Controlled Health Organization wird dem UNO-Komitee für soziale, kulturelle und wirtschaftliche Rechte in Genf überreicht. Der Bericht zeigt die katastrophalen gesundheitlichen Probleme eines Grossteils der indigenen Bevölkerung Australiens auf.
27. Mai 2000
Corroboree 2000 - Versöhnungszermonie in Sydney.
Der 1991 in Angriff genommene Versöhnungsprozess zwischen den Ureinwohnern und dem Rest der australischen Bevölkerung, mündet in die Überreichung eines Dokumentes, welches eine symbolische Basis für das weitere Zusammenleben bilden soll.
Premier John Howard bringt jedoch nach wie vor nicht ein Wort der Entschuldigung hervor für die durchgeführten Zwangsadoptionen von Mischlingen.
Aus Protest wird ihm daher von einigen Zuhörern während seiner Rede der Rücken zugekehrt. Führende Aborigines wie der als “Vater” des Aussöhnungsprozesses bekannte Pat Dodson bleiben der Zeremonie aus Protest gänzlich fern, da das ausgearbeitete Dokument ebenfalls kein Wort der Entschuldigung enthält.
28. Mai 2000
Über 150 000 Menschen nehmen an dem Marsch über die Sydney Harbour Bridge teil. Der vier Kilometer lange “Marsch für die Versöhnung” sollte der Welt zeigen, dass ein grosser Teil der Australier sich hinter den Versöhnungsprozess zwischen den Ureinwohnern und den Weissen stellt. Umfragen zeigen jedoch, dass eine Mehrheit der Australier sich hinter die Position ihres Premiers stellt und keine Aussprechung einer Entschuldigung möchte.
22. Juni 2000
Der Präsident der Australian Medical Association (AMA) unterstreicht, dass nicht genug finanzielle Mittel zur Verfügung stehen, um die Gesundheitsfürsorge der Aborigines zu verbessern. Ein Bericht der AMA legt dar, dass weitere $245 Millionen aufgebracht werden müssten, um die gewünschten Resultate zu erreichen.
28. Juni 2000
Der ATSIC-Vorsitzende Geoff Clark fordert die Einführung einer Job-Quote für Firmen mit mehr als 250 Angestellten. Sie sollen gesetzlich dazu verpflichtet werden, bis zum Jahr 2002 einen Anteil von 2% Aborigines in ihre Belegschaft aufzunehmen. Der Minister für Aborigines und Torres Strait Islander Angelegenheiten John Herron verwirft diesen Vorschlag.
13. Juli 2000
Cherie Booth, Ehefrau des britischen Premierministers und Menschenrechts-Expertin, hat als Vorsitzende eines Teams von Rechtsanwälten eine formelle Beschwerde gegen die australische Regierung bei der UN-Menschenrechtskommission in Genf eingereicht. Gegenstand der Beschwerde ist die harsche Strafgesetzgebung im Northern Territory, welche nicht mit Australiens Verpflichtungen gegenüber den Menschenrechten vereinbar sei und vor allem die indigene Bevölkerung hart treffe.
Australiens Aufgabe wird darin gesehen, die betreffende Gesetzgebung, welche auch in Westaustralien gültig ist, im Hinblick auf die internationalen Verpflichtungen umzustossen. Bisher jedoch beharrt die Commonwealth-Regierung auf ihrem fragwürdigen Standpunkt, dass die Strafgesetzgebung in die Autonomie der Teilstaaten falle.
Australien hat bis zum Janaur 2001 Zeit, auf die Beschwerde von Cherie Booth zu antworten.
14. Juli 2000
Aborigine-Aktivisten errichten eine Zeltbotschaft im Victoria Park von Sydney, um die Besucher der Olympischen Spiele über ihre Situation, ihre Kultur und ihre Geschichte zu informieren.
17. Juli 2000
Cathy Freeman, 400m Läuferin und Goldmedaillienhoffnung Australiens an den Olympischen Spielen, kritisiert die australische Regierung für ihre unerbittliche Haltung gegenüber den Vertretern der Stolen Generation. In einem Interview mit dem britischen Sunday Telegraph erläutert sie, dass auch ihre Grossmutter als Kind gewaltsam von ihrer Mutter getrennt worden war, und sie selber den Schmerz, von den eigenen kulturellen und familiären Wurzeln getrennt zu werden, daher aus eigener Erfahrung kenne. Die unsensible Haltung der Regierung in der Frage der Stolen Generation verursache bei den Aborigines Wut und Betroffenheit.
23. Juli 2000
Mehr als 20 000 TasmanierInnen nehmen an einem Versöhnungsmarsch über die Hobart Tasman Bridge teil. Sie fordern die australische Regierung auf, sich endlich offiziell bei den Aborigines zu entschuldigen und einen wirklichen Versöhnungsprozess einzuleiten.
24. Juli 2000
Die Lutherische Kirche Australiens hat sich im Namen der Nationalen Synode bei den Aborigines für das in der Vergangenheit begangene Unrecht entschuldigt.
27. Juli 2000
In einer Vereinbarung verständigen sich die Bundesregierung und die Regierung des Northern Territory, die höchst kontroverse Strafgesetzgebung im NT dahingehend zu ändern, dass Diebstähle im Wert von weniger als $100 nicht mehr vor Gericht verhandelt werden sollen. Die Regierung wird ausserdem über vier Jahre verteilt $20 Millionen für Programme der Täter-Opfer-Beratung, Vorbeugung von Drogenmissbrauch und einen Dolmetscherdienst zur Verfügung stellen.
ATSIC gehen diese Änderungen nicht weit genug. Sie fordert eine komplete Neufassung des Gesetzes, ausserdem sollten die vorgesehenen Vorbeugungsprogramme auch für die über 18jährigen gültig sein.
Juli 2000
Die UN-Menschenrechtskommission hat in ihrer Sitzung Australien erneut aufgefordert, in der Frage der Zwangsverurteilungen eine harte Haltung gegenüber den Teilstaaten Western Australia und Northern Territory einzunehmen.
Die Regierungschefs der zwei betroffenen Teilstaaten äusserten sich daraufhin gegenüber der australischen Radiostation ABC äusserst abfällig über das UNO-Komitee:
NT-Chief Denis Burke gegenüber ABC Radio:
” I believe it’s laughable that some shonky UN committee held captive by activist organisations with no support at home can somehow be seen to be serious in their condemnation. To my mind we should do what I’ve always said - tell them to butt off.”
Richard Court, Premier in Western Australia, gegenüber ABC Radio:
“We will not cop an unelected United Nations committee telling a democratically elected government in Western Australia how it will run its laws in relation to these matters”.
11. August 2000
Der Federal Court in Darwin unter Richter Maurice O’Loughlin spricht in einem wegweisenden Prozess zwei Vertretern der Stolen Generation keine Kompensationszahlung zu. Lorna Cubillo (62) und Peter Gunner (53) hatten gegen den australischen Staat Klage eingereicht, da sie im Alter von sieben respektive sechs Jahren aus ihren Familien gerissen worden waren und in staatliche Insitutionen überführt wurden. Sie verlangten nun eine Wiedergutmachung für den Verlust ihrer Familie und ihrer Kultur. Richter O’Loughlin begründete im Fall von Peter Gunner sein negatives Urteil damit, dass ein Dokument existiert, auf welchem seine Mutter mit ihrem Daumenabdruck ihr Einverständnis zur Einweisung in ein Heim gegeben hatte. Für Lorna Cubillo waren nach Ansicht des Gerichts die Gründe für die Einweisung in eine staatliche Insitution nicht mehr eruierbar.
Der Prozess, der die australischen SteuerzahlerInnen $10 Millionen gekostet hat, war der erste einer Reihe von weiteren 700 hängigen Klagen alleine im Northern Territory. Der indigene Abgeordnete Senator Ridgeway forderte daher die Einrichtung eines Kompensationstribunals, vor welchem die Klagen weitaus kostengünstiger behandelt werden könnten.
Geoff Clark, Vorsitzender von ATSIC, machte aus seiner Enttäuschung über den negativen Ausgang des Prozesses keinen Hehl. Er sprach sich aber ebenfalls für die Errichtung eines Kompensationstribunals aus, welchem ausserdem die Aufgabe zukomme, einen Heilprozess der alten Wunden einzuleiten zum Wohle der ganzen Nation.
Pat Thomson, ATSIC-Beauftrager in Brisbane, unterstrich, dass dieses Urteil weitere Wunden bei den indigenen AustralierInnen verursacht hat:
l” Today’s decision will be devastating for almost every indigenous community and for almost every indigenous person in this country. For us, it was the history of this country that was on trial today […] Today’s decision will usher a new phenomenon in our communities in this country. The broken generations. Because our hearts are broken. […] There is a dark, dark cloud, a deep, deep wound in the heart of Aboriginal Australia this afternoon. Make no mistake this decision will be devastating to every member of the Stolen Generations and their families. And what that means ist that the government will now have to respond to this. Not only to this decision per se, but it will also have to respond the devastating effect this is going to have on Aboriginal and Torres Strait Islander people of this country.”
Bis einschließlich Ende 2007 weigerte sich John Howard, die Verantwortung gegenüber den Aborigines anzuerkennen. Er hatte dabei wohl im Hinterkopf, dass eine Anerkennung von seiner Seite eine Schadensersatzklagewelle zur Folge haben könnte, was er vermeiden wollte.
Februar 2008: Kevin Rudd, neue Regierungsoberhaupt übernimmt Verantwortung und läutet somit einen Politik Wechsel zugunsten der Aboigines ein.
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The Stolen Generation - Kevin Rudd’s sorry speech
4.12.2008 von admin.
Kevin Rudd’s sorry speech
February 13, 2008
The text of Prime Minister Kevin Rudd’s speech to Parliament.
I move:
That today we honour the indigenous peoples of this land, the oldest continuing cultures in human history.
We reflect on their past mistreatment.
We reflect in particular on the mistreatment of those who were stolen generations - this blemished chapter in our nation’s history.
The time has now come for the nation to turn a new page in Australia’s history by righting the wrongs of the past and so moving forward with confidence to the future.
We apologise for the laws and policies of successive parliaments and governments that have inflicted profound grief, suffering and loss on these our fellow Australians.
We apologise especially for the removal of Aboriginal and Torres Strait Islander children from their families, their communities and their country.
For the pain, suffering and hurt of these stolen generations, their descendants and for their families left behind, we say sorry.
To the mothers and the fathers, the brothers and the sisters, for the breaking up of families and communities, we say sorry.
And for the indignity and degradation thus inflicted on a proud people and a proud culture, we say sorry.
We the parliament of Australia respectfully request that this apology be received in the spirit in which it is offered as part of the healing of the nation.
For the future we take heart; resolving that this new page in the history of our great continent can now be written.
We today take this first step by acknowledging the past and laying claim to a future that embraces all Australians.
A future where this parliament resolves that the injustices of the past must never, never happen again.
A future where we harness the determination of all Australians, indigenous and non-indigenous, to close the gap that lies between us in life expectancy, educational achievement and economic opportunity.
A future where we embrace the possibility of new solutions to enduring problems where old approaches have failed.
A future based on mutual respect, mutual resolve and mutual responsibility.
A future where all Australians, whatever their origins, are truly equal partners, with equal opportunities and with an equal stake in shaping the next chapter in the history of this great country, Australia.
There comes a time in the history of nations when their peoples must become fully reconciled to their past if they are to go forward with confidence to embrace their future.
Our nation, Australia, has reached such a time.
That is why the parliament is today here assembled: to deal with this unfinished business of the nation, to remove a great stain from the nations soul and, in a true spirit of reconciliation, to open a new chapter in the history of this great land, Australia.
Last year I made a commitment to the Australian people that if we formed the next government of the Commonwealth we would in parliament say sorry to the stolen generations.
Today I honour that commitment.
I said we would do so early in the life of the new parliament.
Again, today I honour that commitment by doing so at the commencement of this the 42nd parliament of the Commonwealth.
Because the time has come, well and truly come, for all peoples of our great country, for all citizens of our great commonwealth, for all Australians - those who are indigenous and those who are not - to come together to reconcile and together build a new future for our nation.
Some have asked, Why apologise?
Let me begin to answer by telling the parliament just a little of one person’s story - an elegant, eloquent and wonderful woman in her 80s, full of life, full of funny stories, despite what has happened in her life’s journey, a woman who has travelled a long way to be with us today, a member of the stolen generation who shared some of her story with me when I called around to see her just a few days ago.
Nanna Nungala Fejo, as she prefers to be called, was born in the late 1920s.
She remembers her earliest childhood days living with her family and her community in a bush camp just outside Tennant Creek.
She remembers the love and the warmth and the kinship of those days long ago, including traditional dancing around the camp fire at night.
She loved the dancing. She remembers once getting into strife when, as a four-year-old girl, she insisted on dancing with the male tribal elders rather than just sitting and watching the men, as the girls were supposed to do.
But then, sometime around 1932, when she was about four, she remembers the coming of the welfare men.
Her family had feared that day and had dug holes in the creek bank where the children could run and hide.
What they had not expected was that the white welfare men did not come alone. They brought a truck, two white men and an Aboriginal stockman on horseback cracking his stockwhip.
The kids were found; they ran for their mothers, screaming, but they could not get away. They were herded and piled onto the back of the truck. Tears flowing, her mum tried clinging to the sides of the truck as her children were taken away to the Bungalow in Alice, all in the name of protection.
A few years later, government policy changed. Now the children would be handed over to the missions to be cared for by the churches. But which church would care for them?
The kids were simply told to line up in three lines. Nanna Fejo and her sister stood in the middle line, her older brother and cousin on her left. Those on the left were told that they had become Catholics, those in the middle Methodists and those on the right Church of England.
That is how the complex questions of post-reformation theology were resolved in the Australian outback in the 1930s. It was as crude as that.
She and her sister were sent to a Methodist mission on Goulburn Island and then Croker Island. Her Catholic brother was sent to work at a cattle station and her cousin to a Catholic mission.
Nanna Fejo’s family had been broken up for a second time. She stayed at the mission until after the war, when she was allowed to leave for a prearranged job as a domestic in Darwin. She was 16. Nanna Fejo never saw her mum again.
After she left the mission, her brother let her know that her mum had died years before, a broken woman fretting for the children that had literally been ripped away from her.
I asked Nanna Fejo what she would have me say today about her story. She thought for a few moments then said that what I should say today was that all mothers are important. And she added: Families - keeping them together is very important. It’s a good thing that you are surrounded by love and that love is passed down the generations. That’s what gives you happiness.
As I left, later on, Nanna Fejo took one of my staff aside, wanting to make sure that I was not too hard on the Aboriginal stockman who had hunted those kids down all those years ago.
The stockman had found her again decades later, this time himself to say, Sorry. And remarkably, extraordinarily, she had forgiven him.
Nanna Fejo’s is just one story.
There are thousands, tens of thousands of them: stories of forced separation of Aboriginal and Torres Strait Islander children from their mums and dads over the better part of a century.
Some of these stories are graphically told in Bringing them home, the report commissioned in 1995 by Prime Minister Keating and received in 1997 by Prime Minister Howard.
There is something terribly primal about these firsthand accounts. The pain is searing; it screams from the pages. The hurt, the humiliation, the degradation and the sheer brutality of the act of physically separating a mother from her children is a deep assault on our senses and on our most elemental humanity.
These stories cry out to be heard; they cry out for an apology.
Instead, from the nation’s parliament there has been a stony, stubborn and deafening silence for more than a decade; a view that somehow we, the parliament, should suspend our most basic instincts of what is right and what is wrong; a view that, instead, we should look for any pretext to push this great wrong to one side, to leave it languishing with the historians, the academics and the cultural warriors, as if the stolen generations are little more than an interesting sociological phenomenon.
But the stolen generations are not intellectual curiosities. They are human beings, human beings who have been damaged deeply by the decisions of parliaments and governments. But, as of today, the time for denial, the time for delay, has at last come to an end.
The nation is demanding of its political leadership to take us forward.
Decency, human decency, universal human decency, demands that the nation now step forward to right an historical wrong. That is what we are doing in this place today.
But should there still be doubts as to why we must now act, let the parliament reflect for a moment on the following facts: that, between 1910 and 1970, between 10 and 30 per cent of indigenous children were forcibly taken from their mothers and fathers; that, as a result, up to 50,000 children were forcibly taken from their families; that this was the product of the deliberate, calculated policies of the state as reflected in the explicit powers given to them under statute; that this policy was taken to such extremes by some in administrative authority that the forced extractions of children of so-called mixed lineage were seen as part of a broader policy of dealing with the problem of the Aboriginal population.
One of the most notorious examples of this approach was from the Northern Territory Protector of Natives, who stated:
“Generally by the fifth and invariably by the sixth generation, all native characteristics of the Australian Aborigine are eradicated. The problem of our half-castes” - to quote the protector - “will quickly be eliminated by the complete disappearance of the black race, and the swift submergence of their progeny in the white.”
The Western Australian Protector of Natives expressed not dissimilar views, expounding them at length in Canberra in 1937 at the first national conference on indigenous affairs that brought together the Commonwealth and state protectors of natives.
These are uncomfortable things to be brought out into the light. They are not pleasant. They are profoundly disturbing.
But we must acknowledge these facts if we are to deal once and for all with the argument that the policy of generic forced separation was somehow well motivated, justified by its historical context and, as a result, unworthy of any apology today.
Then we come to the argument of intergenerational responsibility, also used by some to argue against giving an apology today.
But let us remember the fact that the forced removal of Aboriginal children was happening as late as the early 1970s.
The 1970s is not exactly a point in remote antiquity. There are still serving members of this parliament who were first elected to this place in the early 1970s.
It is well within the adult memory span of many of us.
The uncomfortable truth for us all is that the parliaments of the nation, individually and collectively, enacted statutes and delegated authority under those statutes that made the forced removal of children on racial grounds fully lawful.
There is a further reason for an apology as well: it is that reconciliation is in fact an expression of a core value of our nation - and that value is a fair go for all.
There is a deep and abiding belief in the Australian community that, for the stolen generations, there was no fair go at all.
There is a pretty basic Aussie belief that says that it is time to put right this most outrageous of wrongs.
It is for these reasons, quite apart from concerns of fundamental human decency, that the governments and parliaments of this nation must make this apology - because, put simply, the laws that our parliaments enacted made the stolen generations possible.
We, the parliaments of the nation, are ultimately responsible, not those who gave effect to our laws. And the problem lay with the laws themselves.
As has been said of settler societies elsewhere, we are the bearers of many blessings from our ancestors; therefore we must also be the bearer of their burdens as well.
Therefore, for our nation, the course of action is clear: that is, to deal now with what has become one of the darkest chapters in Australia’s history.
In doing so, we are doing more than contending with the facts, the evidence and the often rancorous public debate.
In doing so, we are also wrestling with our own soul.
This is not, as some would argue, a black-armband view of history; it is just the truth: the cold, confronting, uncomfortable truth - facing it, dealing with it, moving on from it.
Until we fully confront that truth, there will always be a shadow hanging over us and our future as a fully united and fully reconciled people.
It is time to reconcile. It is time to recognise the injustices of the past. It is time to say sorry. It is time to move forward together.
To the stolen generations, I say the following: as Prime Minister of Australia, I am sorry.
On behalf of the government of Australia, I am sorry.
On behalf of the parliament of Australia, I am sorry.
I offer you this apology without qualification.
We apologise for the hurt, the pain and suffering that we, the parliament, have caused you by the laws that previous parliaments have enacted.
We apologise for the indignity, the degradation and the humiliation these laws embodied.
We offer this apology to the mothers, the fathers, the brothers, the sisters, the families and the communities whose lives were ripped apart by the actions of successive governments under successive parliaments.
In making this apology, I would also like to speak personally to the members of the stolen generations and their families: to those here today, so many of you; to those listening across the nation - from Yuendumu, in the central west of the Northern Territory, to Yabara, in North Queensland, and to Pitjantjatjara in South Australia.
I know that, in offering this apology on behalf of the government and the parliament, there is nothing I can say today that can take away the pain you have suffered personally.
Whatever words I speak today, I cannot undo that.
Words alone are not that powerful; grief is a very personal thing.
I ask those non-indigenous Australians listening today who may not fully understand why what we are doing is so important to imagine for a moment that this had happened to you.
I say to honourable members here present: imagine if this had happened to us. Imagine the crippling effect. Imagine how hard it would be to forgive.
My proposal is this: if the apology we extend today is accepted in the spirit of reconciliation, in which it is offered, we can today resolve together that there be a new beginning for Australia.
And it is to such a new beginning that I believe the nation is now calling us.
Australians are a passionate lot. We are also a very practical lot.
For us, symbolism is important but, unless the great symbolism of reconciliation is accompanied by an even greater substance, it is little more than a clanging gong.
It is not sentiment that makes history; it is our actions that make history.
Today’s apology, however inadequate, is aimed at righting past wrongs.
It is also aimed at building a bridge between indigenous and non-indigenous Australians - a bridge based on a real respect rather than a thinly veiled contempt.
Our challenge for the future is to cross that bridge and, in so doing, to embrace a new partnership between indigenous and non-indigenous Australians - to embrace, as part of that partnership, expanded Link-up and other critical services to help the stolen generations to trace their families if at all possible and to provide dignity to their lives.
But the core of this partnership for the future is to close the gap between indigenous and non-indigenous Australians on life expectancy, educational achievement and employment opportunities.
This new partnership on closing the gap will set concrete targets for the future: within a decade to halve the widening gap in literacy, numeracy and employment outcomes and opportunities for indigenous Australians, within a decade to halve the appalling gap in infant mortality rates between indigenous and non-indigenous children and, within a generation, to close the equally appalling 17-year life gap between indigenous and non-indigenous in overall life expectancy.
The truth is: a business as usual approach towards indigenous Australians is not working.
Most old approaches are not working.
We need a new beginning, a new beginning which contains real measures of policy success or policy failure; a new beginning, a new partnership, on closing the gap with sufficient flexibility not to insist on a one-size-fits-all approach for each of the hundreds of remote and regional indigenous communities across the country but instead allowing flexible, tailored, local approaches to achieve commonly-agreed national objectives that lie at the core of our proposed new partnership; a new beginning that draws intelligently on the experiences of new policy settings across the nation.
However, unless we as a parliament set a destination for the nation, we have no clear point to guide our policy, our programs or our purpose; we have no centralised organising principle.
Let us resolve today to begin with the little children, a fitting place to start on this day of apology for the stolen generations.
Let us resolve over the next five years to have every indigenous four-year-old in a remote Aboriginal community enrolled in and attending a proper early childhood education centre or opportunity and engaged in proper preliteracy and prenumeracy programs.
Let us resolve to build new educational opportunities for these little ones, year by year, step by step, following the completion of their crucial preschool year.
Let us resolve to use this systematic approach to build future educational opportunities for indigenous children to provide proper primary and preventive health care for the same children, to begin the task of rolling back the obscenity that we find today in infant mortality rates in remote indigenous communities up to four times higher than in other communities.
None of this will be easy. Most of it will be hard, very hard. But none of it is impossible, and all of it is achievable with clear goals, clear thinking, and by placing an absolute premium on respect, cooperation and mutual responsibility as the guiding principles of this new partnership on closing the gap.
The mood of the nation is for reconciliation now, between indigenous and non-indigenous Australians. The mood of the nation on Indigenous policy and politics is now very simple.
The nation is calling on us, the politicians, to move beyond our infantile bickering, our point-scoring and our mindlessly partisan politics and to elevate this one core area of national responsibility to a rare position beyond the partisan divide.
Surely this is the unfulfilled spirit of the 1967 referendum. Surely, at least from this day forward, we should give it a go.
Let me take this one step further and take what some may see as a piece of political posturing and make a practical proposal to the opposition on this day, the first full sitting day of the new parliament.
I said before the election that the nation needed a kind of war cabinet on parts of Indigenous policy, because the challenges are too great and the consequences are too great to allow it all to become a political football, as it has been so often in the past.
I therefore propose a joint policy commission, to be led by the Leader of the Opposition and me, with a mandate to develop and implement, to begin with, an effective housing strategy for remote communities over the next five years.
It will be consistent with the government’s policy framework, a new partnership for closing the gap. If this commission operates well, I then propose that it work on the further task of constitutional recognition of the first Australians, consistent with the longstanding platform commitments of my party and the pre-election position of the opposition.
This would probably be desirable in any event because, unless such a proposition were absolutely bipartisan, it would fail at a referendum. As I have said before, the time has come for new approaches to enduring problems.
Working constructively together on such defined projects would, I believe, meet with the support of the nation. It is time for fresh ideas to fashion the nation’s future.
Mr Speaker, today the parliament has come together to right a great wrong. We have come together to deal with the past so that we might fully embrace the future. We have had sufficient audacity of faith to advance a pathway to that future, with arms extended rather than with fists still clenched.
So let us seize the day. Let it not become a moment of mere sentimental reflection.
Let us take it with both hands and allow this day, this day of national reconciliation, to become one of those rare moments in which we might just be able to transform the way in which the nation thinks about itself, whereby the injustice administered to the stolen generations in the name of these, our parliaments, causes all of us to reappraise, at the deepest level of our beliefs, the real possibility of reconciliation writ large: reconciliation across all indigenous Australia; reconciliation across the entire history of the often bloody encounter between those who emerged from the Dreamtime a thousand generations ago and those who, like me, came across the seas only yesterday; reconciliation which opens up whole new possibilities for the future.
It is for the nation to bring the first two centuries of our settled history to a close, as we begin a new chapter. We embrace with pride, admiration and awe these great and ancient cultures we are truly blessed to have among us cultures that provide a unique, uninterrupted human thread linking our Australian continent to the most ancient prehistory of our planet.
Growing from this new respect, we see our indigenous brothers and sisters with fresh eyes, with new eyes, and we have our minds wide open as to how we might tackle, together, the great practical challenges that Indigenous Australia faces in the future.
Let us turn this page together: indigenous and non-indigenous Australians, government and opposition, Commonwealth and state, and write this new chapter in our nation’s story together.
First Australians, First Fleeters, and those who first took the oath of allegiance just a few weeks ago. Let’s grasp this opportunity to craft a new future for this great land: Australia. I commend the motion to the House.
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The Stolen Generation - Das Verbrechen Australiens an den Aborigines
3.12.2008 von admin.
The Stolen Generation
The Stolen Generation - In ganz Australien wurden Aboriginal - Familien über mehrere Generationen hinweg systematisch ihrer Kinder beraubt.
Sybille Hohmann aus: pogrom 201/1998
01. März 1998
Australien wird derzeit mit einem traurigen Kapitel seiner Geschichte konfrontiert: dem gewaltsamen Herausreißen von Kindern und Säuglingen der Aborigines und Torres Strait Islander aus ihren Familien seit Beginn der Kolonialzeit. Mehrere der Ureinwohner Australiens wurden in staatliche oder kirchliche Obhut gegeben, in Pflegeheimen und -familien untergebracht oder zur Adoption freigegeben. Sie verloren ihre Kultur, die familiäre Geborgenheit, ihr Land und ihre Identität. Ihre Namen wurden geändert. Der Kontakt zu leiblichen Angehörigen wurde ihnen verwehrt. Geschwister wurden getrennt. Pflegschaften oder Adoptionen wurden in aller Regel nur in “weiße” Familien vermittelt. Ob in Heimen oder Missionen, in Pflege- und Adoptivfamilien - fast immer wurden die Aborigine-Kinder auch psychisch, physisch und sexuell missbraucht.
“Es war, als würden wir auf dem Markt feilgeboten. Wir waren alle in weißen Kleidern in einer Reihe aufgestellt und sie gingen umher und suchten dich aus, als wenn du zu verkaufen wärst”, berichtet eine Frau, die noch in den 70er Jahren als 10jährige in eine Pflegefamilie kam. Auch ihre 13 Geschwister wurden den Eltern weggenommen. Sie selbst wurde vom Pflegevater vergewaltigt und zur Abtreibung gezwungen.
Vor 1940 hatten Regierungsbehörden in ganz Australien uneingeschränkte Macht über die Aborigine-Familien. Sie konnten die Trennung eines Kindes von seinen Angehörigen einfach anordnen. Man glaubte damals, dass die Aborigines zum Aussterben verdammt seien. Chancen zur Assimilation gab man nur Kindern aus gemischten Beziehungen, deren Anteil an der Gesamtgruppe ab Ende des 19. Jahrhunderts stark zugenommen hatte. Da diese “europäisches Blut” in sich trugen, wurde ihnen ein Platz am untersten Rand der weißen Gesellschaft zugestanden. Sie sollten den Arbeitsmarkt mit billigen Arbeitskräften versorgen. Kinder gemischter Herkunft standen folglich im Mittelpunkt des Interesses auch beim Kindesentzug. Je heller die Haut, um so größer war das Risiko, geraubt zu werden.
Ab 1940 wurde durch das “Allgemeine Kinderfürsorge Gesetz” (General Child Welfare Law) der Nachweis von Vernachlässigung, Verelendung oder Unkontrollierbarkeit der Kinder notwendig. Die allgemeinen Lebensverhältnisse der Aborigines zu verbessern, um den Familienzusammenhang zu erhalten, erwog der Staat damals offenbar nicht. Statt dessen wurden die Maßstäbe der “weißen” Gesellschaft zum einzigen Kriterium für den Raub der Kinder gemacht. Der Begriff der “Vernachlässigung” wurde zum gesetzlich legitimierten Instrument für einen weiterhin ungehemmten Kindesraub. “Sie glaubten”, so ein Mann, der in den 50er Jahren mit seinen drei Geschwistern der Mutter weggenommen wurde, “dass wir hungerten, was nicht stimmte, weil meine Mutter niemals in ihrem Leben Geld für Alkohol ausgegeben hat. Sie kümmerte sich um uns, hat uns Essen gegeben und uns sauber gehalten. Nur weil sie nicht verheiratet war, wollten sie uns wegholen.”
Das Verbringen von Kindern aus einer bestimmten Bevölkerungsgruppe in eine andere mit dem Vorsatz, sie außerhalb und ohne Zugang zu ihrer eigenen Kultur aufwachsen zu lassen, verstößt gegen die Konvention über die Verhütung und Bestrafung des Völkermordes von 1948, die Australien 1949 unterzeichnet und 1951 ratifiziert hat. Australien hat also bis in die 70er Jahre hinein gegen von ihm selbst anerkanntes Internationales Recht verstoßen. Da sich diese Praxis nur gegen Aborigine-Kinder richtete, wurde außerdem das Internationale Verbot der Rassendiskriminierung verletzt. Erst unter der Regierung Witlam wurde den Aborigines ab 1972 die Möglichkeit eröffnet, mit Hilfe des Aboriginal Legal Service gegen den Kindesentzug vorzugehen. In den 90er Jahren begannen Angehörige der “Stolen Generations” dann, vor Gericht um Wiedergutmachung zu klagen.
Wie viele Generationen von Kindern ihren Eltern und damit der Aborigine Gemeinschaft geraubt wurden, ist nicht bekannt. Viele Akten sind verschwunden oder zerstört. Man geht von ca. 100.000 Kindern zwischen 1910 und 1970 aus. Fast jede Aborigine-Familie ist in einer oder mehreren Generationen vom Raub eines oder mehrerer Kinder betroffen. Weil die Angehörigen meist jede Verbindung zueinander verloren haben, wurden 1980 die Organisation “Family Tracing” (Familienforschung) und die Agentur für Familienzusammenführung “Link-Up” gegründet. Inzwischen kamen in allen Teilen Australiens zahlreiche ähnliche Organisationen hinzu. Sie können nur unter Schwierigkeiten arbeiten, denn die noch vorhandenen Akten sind über zahlreiche Archive verstreut. Lange zurückliegende Ereignisse können oft nicht mehr rekonstruiert werden, weil die Zeitzeugen längst verstorben sind.
Die Folgen der gewaltsamen Trennung haben bei den heute erwachsenen Kindern und bei ihren Familien tiefe seelische Wunden verursacht. Eltern leiden an Selbstvorwürfen, ihre Kinder daran, ohne Liebe und kulturelles Zugehörigkeitsgefühl aufgewachsen zu sein. Sie fühlen sich weder der Aborigine-Gemeinschaft noch der weißen Gesellschaft zugehörig. Ihrer Sprache und ihres kulturellen Wissens wurden sie beraubt, konnten in die Gemeinschaft ihres Volkes nicht hineinwachsen. So können sie auch an ihre eigenen Kinder oft keine sozialen und emotionalen Werte vermitteln. Das Leid wird von Generation zu Generation weitergegeben.
Erst 1997 fand die Geschichte der “Stolen Generations” in der australischen Öffentlichkeit endlich die ihr gebührende Beachtung. Die “Kommission für Menschenrechte und Gleichberechtigung” (HREOC) veröffentlichte im Mai einen 700 Seiten starken Report mit Berichten von Zeitzeugen, Analysen über die Folgen der Zwangsentziehung für die betroffenen Kinder, ihre Familien und die gesamte Aborigine-Gemeinschaft und Vorschlägen für Wiedergutmachung sowie Hilfen für eine Wiedervereinigung der Familien. Den Auftrag dazu hatte sie noch von der 1996 abgewählten Labour-Regierung erhalten. Die Kommission spricht sich u. a. für die Einrichtung eines Entschädigungsfonds durch die Regierung, für eine nationale Gesetzgebung, die den Aborigines in Fragen der Fürsorge, Polizei, und Jugendangelegenheiten Selbstbestimmung ermöglicht, und für eine offizielle Entschuldigung der Regierung gegenüber den Opfern und ihren Familien aus. Entschuldigt hat sich bislang jedoch nur die Anglikanische Kirche Australiens, der jeder vierte Staatsbürger angehört. Auch sie war am Kindesentzug beteiligt, stellte Unterkünfte, Bildungseinrichtungen und Arbeit für die gestohlenen Kinder zur Verfügung.
Am 26. Mai 1998 wurde erstmals in ganz Australien ein “Sorry Day” (Tag des Bedauerns) begangen. Als Geste der Entschuldigung wurden Vertretern der Aborigines Bücher mit ca. 500.000 Unterschriften und Gedanken australischer Bürger überreicht. Die Regierung allerdings hat sich bislang beharrlich geweigert, ihren Bürgern zu folgen und sich offiziell bei den Ureinwohnern Australiens zu entschuldigen.
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