The Stolen Generation - Eine Chronologie des Leidensweges der Aborigines

Der Leidensweg der Aborigines – Eine Chronologie

17. Jahrhundert
Die Holländer gelangen mehrfach an Küstenabschnitte des australischen Kontinents. 1642 entdeckt Abel Janszon Tasman das im 19. Jahrhundert nach ihm benannte Tasmanien.

27. August 1770
James Cook betritt im Namen der britischen Krone an der Ostküste australischen Boden.

26. Januar 1788
Kapitän Arthur Philip, späterer Gouverneur der neuen britischen Kolonie New South Wales, trifft mit der “First Fleet” und rund 750 Häftlingen in der Nähe des heutigen Sydney (Port Jackson) ein. Er tauft die erste australische Gefangenensiedelung in Australien nach dem für die Organisation der Transporte verantwortlichen britischen Staatssekretär Lord Sydney.

Der 26. Januar ist Nationalfeiertag in Australien. Für die Aborigines aber ist es der Tag der Invasion (”Invasion Day”.)

1824
In Tasmanien werden die Siedler dazu autorisiert, Aborigines zu erschiessen.

25. September 1830
In Tasmanien wird die weisse Bevölkerung dazu aufgefordert, an einer eigentlichen Treibjagd auf Aborigines teilzunehmen.

1838
Myall Creek Massaker, NSW.
In der Nähe von Inverell erschiessen und verbrennen weisse Siedler 28 Aborigines, wovon die Mehrheit Frauen und Kinder sind. Erstmals werden die Täter des Massakers vor Gericht gestellt. Sieben Männer werden zum Tod durch Erhängen verurteilt.

1849
Das Colonial Office in London erklärt den ganzen australischen Kontinent zu terra nullius, Niemandsland.
Die britische Regierung vertritt die Ansicht, dass die Aborigines zwar physisch vor der Ankunft der Europäer auf dem australischen Kontinent präsent gewesen sein mögen, aber nicht über eine kulturelle Bindung an ihr Land und eine sozial gefestigte Volksstruktur verfügt hätten. Für das britische Empire besassen die Aborigines daher keine Souveränität über ihr Stammesgebiet.

Die terra nullius-Doktrin diente der britischen Regierung dazu, der zunehmend gewaltsamen Eroberung des australischen Kontinents einen Schein der Legalität zu geben.

Erst 1992 wurde die terra nullius-Doktrin in einem spektakulären Urteil des höchsten australischen Gerichtes verworfen. Siehe dazu unten.

1879
Die letzte Frau aus dem Stamm der tasmanischen Aborigines stirbt.
Nur 70 Jahre nach der europäischen Besiedelung Tasmaniens waren alle Ureinwohner der Insel ausgerottet und eine jahrtausende alte Kultur vernichtet worden.

1. Januar 1901
Gründung des australischen Staates.
Die sechs britischen Kolonien schliessen sich zum Australischen Bund zusammen.

In der aus 128 Paragraphen bestehenden Verfassung werden die Ureinwohner nur zweimal erwähnt und zwar insofern, als dass besondere Rechte für sie gelten (Para. 51, 26) und sie bei Volkszählungen nicht mitgezählt werden sollen (Para. 127).

Im Original lauten die betreffenden Paragraphen folgendermassen:


§ 51, 26
The Parliament shall, subject to this Constitution, have power to make laws for the peace, order and good government of the Commonwealth with respect to: […]
The people of any race, other than the aboriginal race in any State, for whom it is deemed necessary to make special laws.

§ 127
In reckoning the numbers of the people of the Commonwealth, or of the State or other part of the Commonwealth, aboriginal natives shall not be counted.

Abgesehen von der in der Verfassung offen dargelegten Diskriminierung, wirkten sich diese Bestimmungen so aus, dass jeder Aspekt im Leben eines Aborigines von den einzelnen Teilstaaten des Bundes reguliert, kontrolliert und verwaltet wurde, während es dem Bund untersagt blieb, Gesetze in bezug auf die Aborigines zu erlassen.

1902
Der Commonwealth Franchise Act schliesst australische Ureinwohner explizit vom Wahlrecht aus.

Bis 1911
hatten alle Bundesländer Gesetze erlassen, mit denen die Zwangseinweisung der überlebenden Aborigines in Reservate und Missionen unter staatlicher Kontrolle festgeschrieben wurden.

1963
Bark Petition
Der Yolngu Stamm aus Nordwest Arnhem Land reicht eine Petition ein, in der es gegen die an die Minenkompanie Nabalco abgegebene Erlaubnis protestiert, auf ihrem Land Bergbau zu betreiben.

1966
200 Aboriginal Farmarbeiter und ihre Familien verlassen Wave Hill Station (Northern Territory) und streiken für bessere Bezahlung und Bedingungen. Der neun Jahre andauernde Streik entwickelt sich zu einer erfolgreichen Klage für die Restituierung von traditionellem Gurindji Land.

27. Mai 1967
Nationales Referendum über die Abänderung der Verfassungsartikel § 51, 26 und § 127 von 1901.
90.77% der abgegebenen Stimmen sind dafür, Paragraph 127 gänzlich aus der Verfassung zu steichen und Paragraph 51, 26 dahingehend zu ändern, den Wortlaut “other than the aboriginal race in any State” zu streichen.

1971
Erster Aboriginal, Neville Bonner aus Queensland, erhält einen Parlamentssitz. Er trat 1983 zurück.

Im gleichen Jahr errichten Aborigines vor dem Parlamentssitz in Canberra ihre eigene Botschaft in einem Zelt (tent embassy) und protestieren somit für ihre Landrechte und ein Ende der Rassendiskriminierung.

September 1975
Australien ratifiziert das Internationale Übereinkommen zur Beseitigung jeder Form der Rassendiskriminierung von 1966 (International Convention on the Elimination of all forms of Racial Discrimination).

Den Text der Konvention findet man auf der United Nations Human Rights Website (englisch)

Im selben Jahr erlässt Australien auch das Rassendiskriminierungsgesetz. Danach waren verboten:
“Any act involving a distinction, exclusion, restriction or preference based on race, colour, descent or national or ethnic origin which has the purpose or effect of nullifying or impairing the recognition, enjoyment or exercise, on an equal footing, of any human right or fundamental freedom in the political, economic, social, cultural or any other field of public life.”

Erläuterungen zum Racial Discrimination Act findet man auf der Homepage der Human Rights and Equal Opportunity Commission (HREOC) (englisch)

16. Dezember 1976
Land Rights Act
Erste legislative Bestimmung für die Rückkehr von Aboriginal-Land an ihre Besitzer. Den Aborigines wird das uneingeschränkte Eigentumsrecht der Reservate im Northern Territory zugesprochen.

1981 und 1984
Pitjantjatjara Land Rights Act von 1981 und Maralinga Tjarutja Land Rights Act von 1984 werden im Bundeststaat South Australia erlassen. Sie beinhalten ein Vetorecht der Aborigines in Bezug auf Bergbauvorhaben. Das Vetorecht kann allerdings im Streitfall durch einen vom Minister ernannten Schlichter bestätigt, verändert oder sogar aufgehoben werden.

Im Fall des Pitjantjatjara Land Rights Act wurde dem Pitjantjatjara Council ein Gebiet übertragen von der Grösse Ungarns und Österreichs zusammen, welches sich über drei Bundesstaaten erstreckt: Western Australia, South Australia und Northern Territory.

1985
Die australische Regierung gibt den Aborigines ihren heiligen Berg Uluru (Ayers Rock), und den ihn umgebenden Uluru-Nationalpark in Zentralaustralien zurück. Die Aborigines verpachten ihrerseits den Monolithen und sein Umland wieder an die Regierung für touristische Zwecke.

1988
Erklärung von Barunga
Auf einem von den Landräten des Nordterritoriums veranstalteten Fest spricht Premierminister Hawke von einer wirklichen und andauernden Versöhnung und offenen Verhandlungen zwischen der indigenen und nicht-indigenen Bevölkerung.
Hawke wird das sogenannte “Barunga Statement” überreicht, in welchem das Selbstbestimmungsrecht der indigenen Bevölkerung, ihre Landrechte und Kompensation für verlorene Ländereien gefordert werden.

1990
Die halbstaatliche Dachorganisation Aboriginal and Torres Strait Islander Commission (ATSIC) wird gegründet.
Sie vertritt die Interessen der Ureinwohner, wobei die 17 Kommissionsmitglieder durch die 35 landesweiten “Land Councils” gewählt werden. Bis 1999 wurde jedoch der Vorsitzende der ATSIC von der Regierung eingesetzt.
Die Aufgabe von ATSIC ist, die Regierung in allen Angelegenheiten im Zusammenhang mit der indigenen Bevölkerung zu beraten, Programme für die Aborigines und Torres Strait Islander zu formulieren, zu implementieren und zu überwachen.

Die Arbeit und Struktur der ATSIC wird allerdings teilweise auch von Aborigines sehr kritisch beurteilt, wobei sie ATSIC vor allem vorwerfen, eine bürokratische und hierarchische Struktur zu haben, die sich schwer mit den traditionellen Entscheidungsfindungsstrukturen ihrer Kultur vereinbaren lasse. Insofern sehen sie in ATSIC nur ein weiteres von den Weissen eingesetztes Gremium, welches jedoch nicht wirklich die Kontrolle über die ihm zur Verwaltung übertragenen Programme habe.
Die ATSIC ist somit gezwungen, einen Balanceakt zu beschreiten zwischen ihrer Aufgabe, die Interessen der Aborigines zu vertreten und ihre Verpflichtungen als gesetzliches Organ der Bundesregierung wahrzunehmen.

Homepage der Aboriginal and Torres Strait Islander Commission (ATSIC) (englisch)

1991
Die Bundesregierung setzt den 25köpfigen “Council for Reconciliation” (Versöhnungsrat) ein. Nach einem kritischen Bericht über die Situation der Aborigines ins Leben gerufen, soll der Rat während seines auf 10 Jahre befristeten Mandates Wege der Versöhnung zwischen den Ureinwohnern und der weissen Bevölkerung Australiens ausarbeiten.

Ziel ist die Ausarbeitung einer Erklärung, die als Basis für einen Versöhnungsvertrag zwischen der indigenen Bevölkerung und dem weissen Australien dienen könnte.
Als Resultat dieser Bemühungen wurde am 27. Mai 2000 dem australischen Volk die sogenannte “Versöhnungserklärung” überreicht, siehe dazu unten.

Homepage des Council for Reconciliation (englisch)

3. Juni 1992
In einem bahnbrechenden Urteil des obersten Gerichtshofes im Fall Mabo v. Queensland wird die terra nullius-Doktrin umgestossen und erstmals anerkannt, dass die indigene Bevölkerung Australiens einen “Uranspruch” (native title) auf Grund und Boden geltend machen kann.

Eddie Mabo, Bewohner der kleinen zu Queensland gehörenden Murray-Insel in der Torres Strait hat in dem 10 Jahre dauernden Prozess die Besitz- und Souveränitätsrechte des Bundesstaates Queensland über seine Insel angefochten.
Das Gericht folgte der Argumentation des Klägers, dass sein Volk die Insel schon vor der Ankunft besessen und bewirtschaftet habe und liess die Einwände Queenslands nicht gelten, dass mit der Annexion der Insel 1879 allfällige Rechte der Ureinwohner ausgelöscht wurden und die Besitz- und Souveränitätsrechte an die Kolonialregierung in Queensland übergegangen seien.

Durch das Mabo-Urteil wurde die Bundesregierung gezwungen, ein entsprechendes Gesetz zu erlassen, welches 1993 in der Form des Native Title Act verabschiedet wurde.

1993
Der Native Title Act erlaubt den Aborigines, Landbesitz auf Grund von traditioneller Zugehörigkeit geltend zu machen.
Die damalige Labourregierung unter Paul Keating versucht allerdings, weitere Unklarheiten zu beseitigen, indem verfügt wird, dass Pachtverträge für Weideland alle anderen Ansprüche, also auch den “native title”, aufheben würden.
Der Kampf um Land wird seither in unzähligen Gerichtssälen ausgefochten.

Rechtsdokumente zum Native Title Act findet man mit der Suchmaschine des Australisian Legal Information Institute (englisch)

23. Dezember 1993
Wik-Urteil
Der oberste Gerichtshof Australiens entscheidet im Fall Wik v. Queensland zugunsten des indigenen Stammes der Wik und Thayorre und unterstreicht, dass die Landrechte der Aborigines neben den Nutzungsrechten der Pächter weiterbestehen.
Mit vier gegen drei Richterstimmen anerkannte das Gericht das Recht der Aborigines, Ansprüche auf Land geltend zu machen, das im Besitz der Regierung ist und von dieser an Farmer verpachtet wurde.

Im vorliegenden Fall ging es um 35 000 Quadratkilometer Land auf der Halbinsel Cape York, das vom Bundesstaat Queensland an zwölf Farmer verpachtet worden war.

Das Urteil hebt somit die im Native Title Act verankerte Prämisse auf, dass existierende Pachtverträge zwischen den Bundesregierungen und Farmern oder Bergbaugesellschaften, den Landeigentumstitel der Aborigines automatisch löschen würden.
In einem möglichen Streitfall wird aber dem Existenzschutz des Pächters grösseres Gewicht beigemessen.

Das Urteil löst bei Farmern und Bergbaugesellschaften scharfe Proteste aus.

1996
Die liberal-konservative Regierung unter dem heutigen Premier John Howard kommt an die Macht.
Budget und Kompetenzen der indigenen Selbstverwaltungsbehörde ATSIC werden drastisch, d. h. um zirka 40%, gekürzt.

27. Mai 1997
Bericht “Bringing them Home” der “Human Rights and Equal Opportunity Commission” (HREOC) wird publiziert. Er erläutert die von den Anfängen unseres Jahrhunderts bis in die 70er Jahre verfolgte Praxis sogenannte Halb- und Viertelblütler aus ihren Familien herauszureissen und weissen Familien zur Pflege oder Adoption zu übergeben. Diese sogenannten stolen generations sollten an die weisse Bevölkerung assimiliert werden, in dem man sie von ihren Familien und ihren kulturellen Wurzeln trennte.

In Artikel 2, (c) der Konvention über die Verhütung und Bestrafung des Völkermordes von 1948 wird die “gewaltsame Überführung von Kindern der Gruppe in eine andere Gruppe” als Völkermord bezeichnet. Australien hat daher jahrelang gegen die von ihm 1951 ratifizierte Konvention verstossen.

Das Verbrechen an den “stolen generations”

Erst ab 1972 erhielten die Aborigines die Möglichkeit, legale Schritte gegen diese Praktik zu unternehmen und noch heute kämpfen viele der geschätzten 100′000 betroffenen Kinder für eine Wiedergutmachung.

Juli 1997
Eine Überarbeitung des Native title Act (1993) wird von dem für Aboriginal Fragen zuständigen Minister John Herron angekündigt und endet im Native Title Amendment Act von 1998, der die Rechte der indigenen Bevölkerung drastisch einschränkt.

27. Mai 1998
Erster nationaler Sorry-Day
Eine Million Australier tragen sich in die Sorry-books ein als Entschuldigung für das an den Aborigines in den letzten zweihundert Jahren begangene Unrecht, vor allem aber für die über Jahrzehnte aus ihren Familien gerissenen Aborigines-Kinder.
Beinahe alle Parlamente der einzelnen Bundesstaaten entschuldigen sich bei der indigenen Bevölkerung, ein Akt, der von der konservativen Bundesregierung kategorisch abgelehnt wird.

Das Verbrechen an den “stolen generations”

11. August 1998
UNO-Komission für Menschenrechte veröffentlicht eine Pressemeldung, in welcher Australien zusammen mit Jugoslawien und der tschechischen Republik als Länder aufgeführt werden, deren Behandlung der Menschenrechte Grund zur Sorge gibt.

1. Oktober 1998
Der Native Title Amendment Act tritt in Kraft.
Er basiert auf einem 10-Punkte Plan John Howard’s und sieht eine drastische Einschränkung der Bestimmungen des ursprünglichen Gesetzes von 1993 vor.

Einige kritische Punkte seien hier kurz erwähnt:
In der Zeitspanne zwischen dem Native Title Act (1993) und dem Wik-Urteil (1996) hatten einige Bundesstaaten Pachten über Land vergeben, über welches sie nach dem Gesetz von 1993 kein Recht mehr hatten. Dies geschah ohne die Anhörung der native title-Inhaber.Die veränderte Fassung des Native Title Act von 1998 sah nun vor, diese Vergaben rückwirkend zu legalisieren.

Dem Native Title Amendment Act (1998) ist ausserdem eine Liste von tausenden von Landbesitzen angehängt, für welche der Anspruch der Aborigines für immer ausgelöscht sein soll. Diese Liste wurde ohne Zusammenarbeit und Mitspracherecht der indigenen Bevölkerung erstellt. Auf rechtlichem Weg wird ihnen ausserdem nur die Möglichkeit eröffnet, eine Kompensation für das konfiszierte Land zu erstreiten und nicht der Bestand der Konfiszierung selber einzuklagen.

Die neue Gesetzgebung nimmt den Inhabern eines native title jedes Recht, über die Entwicklung auf ihrem Land zu verhandeln und räumt ihnen nur mehr einen beratenden Status ein. Damit bleibt den Aborigines auch die Möglichkeit verwehrt, über Bergbauvorhaben auf ihrem Land zu bestimmen.

Der uneingeschränkte Zugang zu traditionellem Aborigine-Land wird in der neuen Fassung des Gesetzes nur dann gewährt, wenn schon zum Zeitpunkt des Wik-Urteils (1996) dieser Zugang bestanden hat.

Aboriginal sprechen bezüglich der neuen Gesetzgebung von Betrug und dem Ausverkauf ihrer Rechte.
Mick Dodson, ein führender Aborigine-Bürgerrechtler und ehemaliger Aboriginal and Torres Strait Islander Social Justice Commissioner, kommentiert den Native Title Amendment Act (1998) folgendermassen:
“In summary, the new legislation represents the greatest act of dispossession of indigenous Australians since British Naval captain, Cook, claimed our country. It diminishes the say of native titleholders over many forms of development. It will permit state and territorial governments to pursue a full range of primary production activities on pastoral leases without the say-so of native titleholders. It will also enable those same governments to introduce a raft of extinguishing measures through compulsory acquisition and upgrading of existing tenures. Native titleholders will have no say over a whole range of government activities. Procedural rules are tougher, and in short, the legislation is unfair and discriminatory.”

3. Oktober 1998
Mit Aden Ridgeway haben die Aborigines seit 1983 zum ersten Mal wieder einen Vertreter im australischen Parlament. Er war für die Demokraten in New South Wales angetreten.

18. März 1999
Australien wird als erstes westliches Land offiziell vor das aus 19 Mitglieder bestehende Expertenkomitee für die Abschaffung der Rassendiskriminierung bestellt.
Im Blickpunkt des Interesses liegt vor allem der Native Title Amendment Act (1998) und seine Vereinbarkeit mit Artikel 2 und 5 des Internationalen Übereinkommens zur Beseitigung jeder Form der Rassendiskriminierung, 1966, welchem Australien 1975 beigetreten ist.
Das Komitee empfiehlt der australischen Regierung, die 1998 angebrachten Veränderungen am Native Title Act, 1993 auf ihre diskriminierenden Folgen für die Aboriginal zu prüfen.

In Punkt 6 der Entscheidung drückt das Komitee Besorgnis darüber aus, dass die abgeänderte Fassung des Native Title Acts gerade jene Rechte beschneidet und einschränkt, welche 1993 erlassen worden waren, um den Aborigines ihren rechtmässigen Anspruch zu sichern.
“The Committee, having considered a series of new amendments to the Native Title Act, as adopted in 1998, expresses concern over the compatibility of the Native Tile Act, as currently amended, with the State party’s international obligations under the Convention. While the original Native Title Act recognizes and seeks to protect indigenous title, provisions that extinguish or impair the exercise of indigenous title rights and interests pervade the amended Act. While the original 1993 Native Title Act was delicately balanced between the rights of indigenous and non-indigenous title holders, the amended Act appears to create legal certainty for Governments and third parties at the expense of indigenous title.”

Die offizielle Regierung in Canberra weist den Bericht zurück und unterstreicht, das australische Gesetze vom australischen Parlament geschaffen würden und nicht von einem UNO-Komitee.

Juli 1999
Die Weltkulturschutz-Kommission der UNO entscheidet sich gegen die Empfehlung der Expertenkommission der UNESCO, den 20 000 Quadratkilometer grossen Kakadu-Nationalpark in die Liste der gefährdeten Objekte des Weltkulturerbes aufzunehmen.
Dieser Entscheid gibt gleichzeitig dem Bau der geplanten Jabiluka-Uranmine grünes Licht. Nach Sicht der australischen Regierung bestehe weder für die Natur dieses Feuchtgebietes noch für den auf diesem Land seit 40 000 Jahren lebenden Mirrar-Clan eine Gefahr.
Das erwartete Uranvorkommen in diesem Gebiet beläuft sich auf einen Gesamtwert von 4 Milliarden Franken.

Oktober 1999
Murrandoo Yanner erzielt Sieg vor dem oberstem Gericht in Australien.
Der Urteilsspruch unterstreicht, dass Aborigines nicht den Jagd- und Fischereigesetzen ihres jeweiligen Bundesstaates unterliegen, solange die Jagd auf dem Land der Aborigines stattfindet und nur dem persönlichen Verzehr dient. Dank des Urteils können die Ureinwohner ihren traditionellen Lebensstil als Jäger und Sammler weiter nachgehen.

24. März 2000
UNO-Komitee für die Beseitigung der Rassendiskriminierung kritisiert Australien für seine Behandlung der Aborigines. Australien reagiert brüskiert und droht seine Verpflichtungen innerhalb des ganzen UNO-Systems zu überdenken.

In Punkt 9 der Entscheidung wird Besorgnis darüber ausgedrückt, dass die indigene Bevölkerung immer mehr in der Ausübung ihrer Rechte beschnitten zu werden scheint, vor allem was die Landfrage betrifft:
“Concern is expressed at the unsatisfactory response to Committee Decisions 2(54) (March 1999) and 2(55) (August 1999) and at the continuing risk of further impairment of the rights of Australian’s indigenous communities. The Committee reaffirms all aspects of its Decisions 2(54) and 2(55) and reiterates its recommendation that the State party ensure effective participation by indigenous communities in decisions affecting their land rights, as required under article 5 c of the Convention and General Recommendation XXIII of the Committee, which stresses the importance of ensuring the “informed consent” of indigenous peoples. The Committee recommends the State party to provide full information of this issue in the next periodic report.”

Punkt 12 fordert die Regierung Howard auf, den Versöhnungsprozess zwischen der indigenen und der weissen Bevölkerung voranzutreiben.
“While acknowledging the significant efforts that have taken place to achieve reconciliation, concern is expressed about the apparent loss of confidence by the indigenous community in the process of reconciliation. The Committee recommends that the State party take appropriate measures to ensure that the reconciliation process is conducted on the basis of robust engagement and effective leadership, so as to a meaningful reconciliation, genuinely embraced by both the indigenous population and the population at large.”

Punkt 18 drückt die tiefe Besorgnis darüber aus, dass die indigene Bevölkerungs Australiens nach wie vor nicht ihre ökonomischen, sozialen und kulturellen Rechte in vollem Ausmass wahrnehmen kann:
“The Committee acknowledges the effort being made to increase spending on health, housing, employment and education programmes for indigenous Australians. Serious concern remains at the extent of the continuing discrimination faced by indigenous Australians in the enjoyment of their economic, social and cultural rights. The Committee remains seriously concerned about the extent of the dramatic inequality still experienced by an indigenous population that represents only 2.1% of the total population of a highly developed industrialized State. The Committee recommends that the State party ensure, within the shortest time possible, that sufficient resources be allocated to eradicate these disparities.”

April 2000
Premier John Howard leugnet Anfang April öffentlich die Existenz der stolen generation.
Der für Aboriginal Fragen zuständige Minister John Herron spricht von “nur” 10% der Kinder, die zwischen 1910 und 1970 den Familien entrissen worden waren.

Untersuchungen einer australischen Menschenrechtskommission haben allerdings ergeben, dass jedes dritte Kind davon betroffen war und somit Opfer von körperlichem und seelischem Missbrauch wurde.

Premier John Howard weigert sich nach wie vor, eine Entschuldigung auszusprechen für diese Zwangsadoptionen und betont, dass die heutige Generation der Australier nicht für diese Praxis verantwortlich gemacht werden könne.
Die Gründe für das unverständliche Zögern John Howard’s dürften allerdings vielmehr in seiner Befürchtung liegen, sich allfälligen Kompensationsforderungen gegenüber zu sehen.

11. Mai 2000
Dr. Charles Perkins, bekannter Aboriginal Aktivist, unterstreicht in seiner Rede anlässlich der Verleihung der Ehrendoktorwürde der University of Syndey, dass es der politischen Führung zur Zeit an Visionen und Inspiration fehlt, wobei vor allem Premier John Howard scharf kritisiert wird:
“Our Prime Minister is obviously unsuited to lead this country at such a critical time in our history. He has neither the character, the vision or the compassion to understand his role at this point of time. He has failed in a number of critical areas. For example ; his reluctance to say sorry, on behalf of the Government, to the Stolen Generation, of which he denies the existence, and also, for the traumatic history of black/white relations in this country is itself a great shame.”

15. Mai 2000
Ein Bericht der National Aboriginal Community Controlled Health Organization wird dem UNO-Komitee für soziale, kulturelle und wirtschaftliche Rechte in Genf überreicht. Der Bericht zeigt die katastrophalen gesundheitlichen Probleme eines Grossteils der indigenen Bevölkerung Australiens auf.

27. Mai 2000
Corroboree 2000 - Versöhnungszermonie in Sydney.
Der 1991 in Angriff genommene Versöhnungsprozess zwischen den Ureinwohnern und dem Rest der australischen Bevölkerung, mündet in die Überreichung eines Dokumentes, welches eine symbolische Basis für das weitere Zusammenleben bilden soll.
Premier John Howard bringt jedoch nach wie vor nicht ein Wort der Entschuldigung hervor für die durchgeführten Zwangsadoptionen von Mischlingen.
Aus Protest wird ihm daher von einigen Zuhörern während seiner Rede der Rücken zugekehrt. Führende Aborigines wie der als “Vater” des Aussöhnungsprozesses bekannte Pat Dodson bleiben der Zeremonie aus Protest gänzlich fern, da das ausgearbeitete Dokument ebenfalls kein Wort der Entschuldigung enthält.

28. Mai 2000
Über 150 000 Menschen nehmen an dem Marsch über die Sydney Harbour Bridge teil. Der vier Kilometer lange “Marsch für die Versöhnung” sollte der Welt zeigen, dass ein grosser Teil der Australier sich hinter den Versöhnungsprozess zwischen den Ureinwohnern und den Weissen stellt. Umfragen zeigen jedoch, dass eine Mehrheit der Australier sich hinter die Position ihres Premiers stellt und keine Aussprechung einer Entschuldigung möchte.

22. Juni 2000
Der Präsident der Australian Medical Association (AMA) unterstreicht, dass nicht genug finanzielle Mittel zur Verfügung stehen, um die Gesundheitsfürsorge der Aborigines zu verbessern. Ein Bericht der AMA legt dar, dass weitere $245 Millionen aufgebracht werden müssten, um die gewünschten Resultate zu erreichen.

28. Juni 2000
Der ATSIC-Vorsitzende Geoff Clark fordert die Einführung einer Job-Quote für Firmen mit mehr als 250 Angestellten. Sie sollen gesetzlich dazu verpflichtet werden, bis zum Jahr 2002 einen Anteil von 2% Aborigines in ihre Belegschaft aufzunehmen. Der Minister für Aborigines und Torres Strait Islander Angelegenheiten John Herron verwirft diesen Vorschlag.

13. Juli 2000
Cherie Booth, Ehefrau des britischen Premierministers und Menschenrechts-Expertin, hat als Vorsitzende eines Teams von Rechtsanwälten eine formelle Beschwerde gegen die australische Regierung bei der UN-Menschenrechtskommission in Genf eingereicht. Gegenstand der Beschwerde ist die harsche Strafgesetzgebung im Northern Territory, welche nicht mit Australiens Verpflichtungen gegenüber den Menschenrechten vereinbar sei und vor allem die indigene Bevölkerung hart treffe.
Australiens Aufgabe wird darin gesehen, die betreffende Gesetzgebung, welche auch in Westaustralien gültig ist, im Hinblick auf die internationalen Verpflichtungen umzustossen. Bisher jedoch beharrt die Commonwealth-Regierung auf ihrem fragwürdigen Standpunkt, dass die Strafgesetzgebung in die Autonomie der Teilstaaten falle.
Australien hat bis zum Janaur 2001 Zeit, auf die Beschwerde von Cherie Booth zu antworten.

14. Juli 2000
Aborigine-Aktivisten errichten eine Zeltbotschaft im Victoria Park von Sydney, um die Besucher der Olympischen Spiele über ihre Situation, ihre Kultur und ihre Geschichte zu informieren.

17. Juli 2000
Cathy Freeman, 400m Läuferin und Goldmedaillienhoffnung Australiens an den Olympischen Spielen, kritisiert die australische Regierung für ihre unerbittliche Haltung gegenüber den Vertretern der Stolen Generation. In einem Interview mit dem britischen Sunday Telegraph erläutert sie, dass auch ihre Grossmutter als Kind gewaltsam von ihrer Mutter getrennt worden war, und sie selber den Schmerz, von den eigenen kulturellen und familiären Wurzeln getrennt zu werden, daher aus eigener Erfahrung kenne. Die unsensible Haltung der Regierung in der Frage der Stolen Generation verursache bei den Aborigines Wut und Betroffenheit.

23. Juli 2000
Mehr als 20 000 TasmanierInnen nehmen an einem Versöhnungsmarsch über die Hobart Tasman Bridge teil. Sie fordern die australische Regierung auf, sich endlich offiziell bei den Aborigines zu entschuldigen und einen wirklichen Versöhnungsprozess einzuleiten.

24. Juli 2000
Die Lutherische Kirche Australiens hat sich im Namen der Nationalen Synode bei den Aborigines für das in der Vergangenheit begangene Unrecht entschuldigt.

27. Juli 2000
In einer Vereinbarung verständigen sich die Bundesregierung und die Regierung des Northern Territory, die höchst kontroverse Strafgesetzgebung im NT dahingehend zu ändern, dass Diebstähle im Wert von weniger als $100 nicht mehr vor Gericht verhandelt werden sollen. Die Regierung wird ausserdem über vier Jahre verteilt $20 Millionen für Programme der Täter-Opfer-Beratung, Vorbeugung von Drogenmissbrauch und einen Dolmetscherdienst zur Verfügung stellen.
ATSIC gehen diese Änderungen nicht weit genug. Sie fordert eine komplete Neufassung des Gesetzes, ausserdem sollten die vorgesehenen Vorbeugungsprogramme auch für die über 18jährigen gültig sein.

Juli 2000
Die UN-Menschenrechtskommission hat in ihrer Sitzung Australien erneut aufgefordert, in der Frage der Zwangsverurteilungen eine harte Haltung gegenüber den Teilstaaten Western Australia und Northern Territory einzunehmen.
Die Regierungschefs der zwei betroffenen Teilstaaten äusserten sich daraufhin gegenüber der australischen Radiostation ABC äusserst abfällig über das UNO-Komitee:
NT-Chief Denis Burke gegenüber ABC Radio:
” I believe it’s laughable that some shonky UN committee held captive by activist organisations with no support at home can somehow be seen to be serious in their condemnation. To my mind we should do what I’ve always said - tell them to butt off.”

Richard Court, Premier in Western Australia, gegenüber ABC Radio:
“We will not cop an unelected United Nations committee telling a democratically elected government in Western Australia how it will run its laws in relation to these matters”.

11. August 2000
Der Federal Court in Darwin unter Richter Maurice O’Loughlin spricht in einem wegweisenden Prozess zwei Vertretern der Stolen Generation keine Kompensationszahlung zu. Lorna Cubillo (62) und Peter Gunner (53) hatten gegen den australischen Staat Klage eingereicht, da sie im Alter von sieben respektive sechs Jahren aus ihren Familien gerissen worden waren und in staatliche Insitutionen überführt wurden. Sie verlangten nun eine Wiedergutmachung für den Verlust ihrer Familie und ihrer Kultur. Richter O’Loughlin begründete im Fall von Peter Gunner sein negatives Urteil damit, dass ein Dokument existiert, auf welchem seine Mutter mit ihrem Daumenabdruck ihr Einverständnis zur Einweisung in ein Heim gegeben hatte. Für Lorna Cubillo waren nach Ansicht des Gerichts die Gründe für die Einweisung in eine staatliche Insitution nicht mehr eruierbar.

Der Prozess, der die australischen SteuerzahlerInnen $10 Millionen gekostet hat, war der erste einer Reihe von weiteren 700 hängigen Klagen alleine im Northern Territory. Der indigene Abgeordnete Senator Ridgeway forderte daher die Einrichtung eines Kompensationstribunals, vor welchem die Klagen weitaus kostengünstiger behandelt werden könnten.

Geoff Clark, Vorsitzender von ATSIC, machte aus seiner Enttäuschung über den negativen Ausgang des Prozesses keinen Hehl. Er sprach sich aber ebenfalls für die Errichtung eines Kompensationstribunals aus, welchem ausserdem die Aufgabe zukomme, einen Heilprozess der alten Wunden einzuleiten zum Wohle der ganzen Nation.

Pat Thomson, ATSIC-Beauftrager in Brisbane, unterstrich, dass dieses Urteil weitere Wunden bei den indigenen AustralierInnen verursacht hat:
l” Today’s decision will be devastating for almost every indigenous community and for almost every indigenous person in this country. For us, it was the history of this country that was on trial today […] Today’s decision will usher a new phenomenon in our communities in this country. The broken generations. Because our hearts are broken. […] There is a dark, dark cloud, a deep, deep wound in the heart of Aboriginal Australia this afternoon. Make no mistake this decision will be devastating to every member of the Stolen Generations and their families. And what that means ist that the government will now have to respond to this. Not only to this decision per se, but it will also have to respond the devastating effect this is going to have on Aboriginal and Torres Strait Islander people of this country.”

Bis einschließlich Ende 2007 weigerte sich John Howard, die Verantwortung gegenüber den Aborigines anzuerkennen. Er hatte dabei wohl im Hinterkopf, dass eine Anerkennung von seiner Seite eine Schadensersatzklagewelle zur Folge haben könnte, was er vermeiden wollte.

Februar 2008: Kevin Rudd, neue Regierungsoberhaupt übernimmt Verantwortung und läutet somit einen Politik Wechsel zugunsten der Aboigines ein.

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